Überregional
Swiss mit Gewinneinbruch im ersten Halbjahr
Artikel zum Thema
Teilen und kommentieren
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Die heftigen Turbulenzen zu Jahresbeginn haben der Swiss das Semesterergebnis zerzaust. In den ersten sechs Monaten musste die Fluggesellschaft trotz mehr Umsatz einen Gewinneinbruch hinnehmen.
Obwohl der Umsatz um 2 Prozent auf 2,452 Milliarden Franken stieg, tauchte das operative Ergebnis um mehr als die Hälfte auf 61 Millionen Franken wie die Swiss am Donnerstag bekannt gab. Im Vorjahressemester hatte die Airline noch 129 Millionen Franken verdient.
Damit ist die Swiss wieder auf dem Niveau von 2010 gelandet. Damals hatte vor allem die Aschewolke nach dem Vulkanausbruch in Island der Airline einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Gründe für den jetzigen Einbruch seien der anhaltend schwierige Markt, der weitere Druck auf die Durchschnittserlöse, insbesondere in Europa, der starke Franken und die hohen Treibstoffpreise. «Die Branchenkrise trifft auch uns, und eine Trendwende ist kurzfristig nicht absehbar», sagte Swiss-Chef Harry Hohmeister laut Communiqué.
Immerhin kehrte die Fluggesellschaft in die schwarzen Zahlen zurück. Im ersten Quartal hatte die Swiss noch einen operativen Verlust von 4 Millionen Franken hinnehmen müssen. Das zweite Quartal brachte wieder einen Betriebsgewinn von 65 Millionen Franken, entwickelte sich aber klar unter den Erwartungen der Swiss.
Sparmassnahmen
Erfreulich sei, dass die Swiss die bereits hohe Auslastung weiter habe steigern können, hiess es. Auch die Zahl der Passagiere nahm um 4,5 Prozent auf 7,7 Millionen Reisende zu.
«Dies reichte jedoch bei weitem nicht, um die sinkenden Durchschnittserlöse wettzumachen», erklärte Hohmeister: Die Flugpreise seien nach wie vor äusserst tief. Das Betriebsergebnis des Vorjahres in Höhe von 306 Millionen Fr. dürfte heuer nicht mehr zu erreichen sein.
Die Swiss prüfe strukturelle Anpassungen, insbesondere um das Europageschäft auf eine profitable Basis zu stellen. Bereits beschlossen hatte die Lufthansa-Tochter unter anderem einen vorläufigen Einstellungsstopp in der Administration.
Zudem wurden im Frühjahr die Preise im Interkontinental- und im Europaverkehr erhöht. Optimierungen gab es im Nachbarschaftsverkehr und im Treibstoffmanagement.
Im Einkauf und in der Administration werden gruppenweit zusätzliche Synergien geprüft. Weitere Strukturanpassungen sollen folgen. «Geprüft werden unter anderem Prozesse an Bord und am Boden, Flugzeugeinsätze und Optimierungen beim Streckennetz», teilte Swiss- Finanzchef Marcel Klaus mit.
Stellenabbau bei Lufthansa
Die Swiss-Mutter Lufthansa hatte bereits im Mai ein massives Sparprogramm angekündigt, um im Wettbewerb mit Billigfliegern wie Ryanair und schnell wachsenden Rivalen wie Emirates nicht ins Hintertreffen zu geraten.
Weltweit sollen in den kommenden Jahren 3500 von rund 17'000 Stellen in der Verwaltung gestrichen werden. Was dies für den Personalbestand der Swiss konkret bedeutet, ist noch unklar. «Ein Personalabbau im grossen Stil ist derzeit kein Thema», sagte Swiss- Sprecherin Myriam Ziesack auf Anfrage.
In den ersten sechs Monaten erhöhte die Swiss den Bestand noch einmal deutlich um fast 400 auf 6722 Vollzeitstellen, die sich auf fast 8000 Mitarbeiter verteilen. In der Flugzeugwartung seien über 200 Mitarbeiter zur Swiss gestossen. Im Gesamtjahr 2012 würden beim fliegenden Personal erneut über 300 Leute eingestellt, hiess es.
Lufthansa mit überraschend viel Gewinn
Die Sparmassnahmen und gute Geschäfte ihrer Servicegesellschaften haben dem Lufthansa-Konzern im zweiten Quartal zu einem überraschend deutlichen Zuwachs des operativen Gewinns verholfen. Den herben Betriebsverlust aus dem ersten Quartal, als hohe Treibstoffkosten Deutschlands grösste Airline ausbremsten, konnte der Konzern damit fast wettmachen.
Insgesamt blieb die Lufthansa trotz des Aufwärtstrends im gesamten ersten Halbjahr deutlich in den roten Zahlen. Obwohl der Umsatz von 13,7 Milliarden auf 14,5 Milliarden Euro stieg, stand unter dem Strich ein Konzernverlust von 168 Millionen Euro. Das ist immerhin deutlich weniger als vor einem Jahr, als die Lufthansa in den ersten sechs Monaten einen Verlust von 206 Millionen Euro eingeflogen hatte.
Dabei profitierte der grösste europäische Luftfahrtkonzern auch von Restrukturierungserfolgen seines österreichischen Sorgenkinds Austrian Airlines (AUA). Die AUA hatte vor kurzem den Flugbetrieb auf die Tochtergesellschaft Tyrolean Airways übertragen und dadurch einmalige Gewinne erzielt. (kes/sda)
Erstellt: 02.08.2012, 18:38 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:

Bitte warten

Schicken Sie uns Ihr bestes Foto an redaktion@zol.ch, Vermerk «Leserbild der Woche». Im ZO/AvU publizierte Fotos werden mit 100 Franken belohnt. 




