Überregional

Meteorologen sind über Tiefstwerte uneins

Aktualisiert am 06.02.2012

Was ist nun wirklich der Rekordwert? Bei welchen Messstationen sind die Angaben mit Vorsicht zu geniessen? Dass es kalt war in den letzten Tagen, darüber sind sich alle einig, jedoch nicht, wenn es um die Tiefstwerte geht.

Wo war es am kältesten? Frostig sieht es auf jeden Fall am Genfersee aus. (Bild: key)

Wo war es am kältesten? Frostig sieht es auf jeden Fall am Genfersee aus. (Bild: key)

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Die Nacht auf Montag hat der Schweiz den neuesten Tiefstwert dieses Winters in bewohntem Gebiet beschert: In Samedan GR wurden -35,1 Grad gemessen. Auf der abgelegenen Glattalp SZ war es gar -45 Grad kalt. Noch kälter dürfte es nun nicht mehr werden.

Den Wert von -35,1 Grad teilten MeteoNews und SF Meteo am Montag übereinstimmend mit. Fast ebenso kalt wie in Samedan GR war es auf der Alp Buffalora am Ofenpass GR mit -31,8 Grad. In La Brévine im Neuenburger Jura, dem sogenannten Sibirien der Schweiz, war es -27,6 Grad.

SF Meteo meldete zudem -23 Grad in Eggiwil BE und -21 Grad in Ebnat-Kappel SG. SF Meteo hat zwar noch weitere Tiefstwerte gemessen, mahnt aber zur Vorsicht bei der Interpretation dieser Temperaturen. So war es in Ulrichen VS im Goms -28,5 Grad kalt. Diese Messtation liegt wegen des vielen Schnees direkt über dem Boden, was die Temperaturen nach unten zieht.

Auf der Glattalp SZ auf 1800 Meter mass gemäss SF Meteo das Elektrizitätswerk Schwyz gar -45 Grad. Der Wetterdienst Meteomedia von Jörg Kachelmann registrierte auf der Glattalp zuhinterst im Muotatal -44 Grad. Für La Brévine teilte Meteomedia -28 Grad mit.

Kältewelle auf dem Höhepunkt

Am Wochenende hatten die Rekordwerte eine Kontroverse unter den Wetterdiensten ausgelöst. Kritisiert wurde etwa, dass es fragwürdig sei, an unbewohnten Orten mit extremen Bedingungen wie auf der Glattalp zu messen.

Einig sind sich am Montag die Wetterdienste darin, dass die tiefsten Temperaturen der aktuellen Kältewelle nun erreicht sein dürften. Noch kälter könnte es in der kommenden Nacht höchstens in La Brévine werden.

Kaltstart in die Woche

Die eisige Nacht bescherte vielen öV-Pendlern wegen eingefrorenen Weichen, Schienenbrüchen oder ausgefallenen Klimaanlagen einen Kaltstart in die neue Woche.

Wie SBB-Sprecher Reto Kormann auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte, mussten insbesondere in der Region Genf eingefrorene Weichen mit Bunsenbrennern enteist werden.

Auf dem Zürcher S-Bahn-Netz konnten einige Zugkompositionen gar nicht erst in Betrieb genommen werden. Laut Kormann waren sie wohl über das Wochenende im Depot eingefroren und mussten enteist werden, damit beispielsweise die Türen wieder geöffnet und die Kupplungen in Betrieb genommen werden konnten.

Im Bahnhof Bern war am Morgen etwa um 8 Uhr für 15 Minuten der Strom auf Seite der «Welle» unterbrochen. Mehr Glück hatten Pendlerinnen und Pendler im Intercity von Zürich nach Bern: Weil die Klimaanlage in einem Wagen der zweiten Klasse ausgefallen war, durften die Passagiere der 2. Klasse ohne Aufpreis in die 1. Klasse wechseln.

Probleme mit Gas

Die grimmige Kälte führte am Montagmorgen im Kanton Glarus zu einem Zusammenbruch der Gasversorgung. 1800 Kunden der Technischen Betriebe Glarus (TBG) waren während vier Stunden ohne Heizung. Der Grund für den Zusammenbruch war, dass ein Vorlieferant Gas mit zu wenig Druck ins Netz der Technischen Betriebe Glarus eingespiesen hatte. Anderenorts liess das Eis Wasserleitungen bersten.

In Degersheim SG mussten am Montagmorgen fünf Bewohner eines Mehrfamilienhauses wegen Verdachts einer Kohlenmonoxid-Vergiftung ins Spital eingeliefert worden. Eine zugefrorene Abgasleitung der Ölheizung führte zu einem Rückstau. Nach und nach füllte sich das Haus mit dem giftigen Gas. (kes/sda)

Erstellt: 06.02.2012, 17:51 Uhr

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