«Werde mehr aufs Maul sitzen»

Aktualisiert am 04.04.2011 1 Kommentar

Martin Graf hat es geschafft: Der Effretiker ist als siebtes Mitglied in den Regierungsrat gewählt worden. Die Wiederwahl verpasst hat Hans Hollenstein, der zwar das absolute Mehr erreichte, mit dem achtbesten Resultat aber als überzählig ausschied.

Provisorisches Schlussresultat

Provisorisches Schlussresultat


in Tausend

Quelle:Statistisches Amt ZH


Bildstrecke

Unterwegs mit Martin Graf am Wahltag

Unterwegs mit Martin Graf am Wahltag
Der Effretiker Martin Graf wurde am Sonntag in den Regierungsrat gewählt. ZO-Online begleitete den Grünen am Wahltag. (Bilder: Mano Reichling)

Dossiers

Artikel zum Thema

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Die CVP verliert ihren Sitz in der Zürcher Regierung. Sicherheitsdirektor Hans Hollenstein hat zwar das absolute Mehr erreicht, landete aber auf dem achten Platz und schied überzählig aus. An seine Stelle wurde der Grüne Martin Graf (neu) gewählt.

Das beste Resultat erzielte Mario Fehr (SP) mit 137'035 Stimmen, gefolgt von Thomas Heiniger (FDP, 134'061 Stimmen), Ernst Stocker (SVP, 1239'943 Stimmen), Ursula Gut (FDP, 129'349 Stimmen), Markus Kägi (SVP, 123'159 Stimmen) und Regine Aeppli (SP, 121'144 Stimmen). Graf erreichte 120'815 Stimmen.

«Graf will mit Power ins Amt gehen

Der neu gewählte grüne Regierungsrat Martin Graf kündigte an, «mit Power» in sein Amt zu gehen. Sein Erfolg sei eine schöne Überraschung. «Ich habe nicht damit gerechnet, gewählt zu werden», sagte er. Er habe aber vor allem in den Landgemeinden für einen Grünen erstaunlich viele Stimmen geholt.

«Der Schritt weg von der kommunalen Ebene hin auf eine formellere Ebene wird aber eine grosse Umstellung», sagte Graf weiter. Er habe einen sehr offenen Wahlkampf betrieben und stets gesagt, was er denke. Jetzt werde er mehr «aufs Maul sitzen» müssen.

Eine Präferenz hinsichtlich des Departements habe er zwar, verrate diese aber nicht vor den Medien. Kein Problem sieht er darin, als Linker in einer bürgerlich dominierten Regierung zu bestehen. Schon als Stadtpräsident von Illnau-Effretikon habe er dies getan.

Ob sich der Fukushima-Effekt stark ausgewirkt habe, bezweifelt er. Dieser werde sich in der Schweiz eher in Sachabstimmungen als in Personenwahlen zeigen. Graf ist zudem überzeugt, dass es den Grünen kaum gelungen wäre, in die Exekutive zu kommen, wenn die Grünliberalen ebenfalls angetreten wären. «Oder es wäre zumindest deutlich schwieriger geworden.»

Ein Urgrüner mit vielen Ideen

Die Katastrophe in Fukushima hat ihm zweifellos geholfen: Martin Grafs Wahl in den Zürcher Regierungsrat aber allein dem «Japan-Effekt» zuschreiben zu wollen, greift zu kurz. Schon 2007 hatte er das absolute Mehr geschafft, war aber als achter ausgeschieden.

Das gute Abschneiden vor vier Jahren war für den 56-jährigen Martin Graf ein wesentlicher Grund, sich erneut als Kandidat zur Verfügung zu stellen. Sein klares umweltpolitisches Profil wurde am Sonntag von den Stimmberechtigten mit der Wahl in die Regierung honoriert.

Der Sohn einer Australierin ist in Schaffhausen aufgewachsen. Sein Vater war als Generaldirektor bei Georg Fischer tätig. Nach dem Abschluss als Ingenieur Agronom ETH war Martin Graf vier Jahre lang Beratungsleiter eines Milchwirtschaftsprojektes in Tansania.

Seither arbeitet er teilzeitlich an der Agridea Lindau in der Entwicklung von land- und betriebswirtschaftlicher Software. Daneben ist der geschiedene Vater von fünf Kindern seit 1998 halbamtlicher Stadtpräsident von Illnau-Effretikon. Zuvor gehörte er bereits eine Amtszeit der städtischen Exekutive an.

In Illnau-Effretikon, seiner Wahlheimat, geniesst Martin Graf den Ruf eines weltoffenen Mannes, der keine Berührungsängste kennt, und der als Politiker lieber gestaltet als verwaltet. An Ideen fehlt es ihm nicht. Im Wahlkampf überraschte er mit einer 42-seitigen Broschüre mit über 100 Zielen, Forderungen und konkreten Vorschlägen für ein «nachhaltiges Zürich 2020».

In Wirtschaftsfragen liberal und pragmatisch

«Die Schrift macht mich greifbar, die Leute sollen wissen, was der Martin Graf will», sagte er bei der Präsentation. Widersprüche in der Politik bereiten ihm Mühe. So hat er kein Verständnis dafür, dass sich der Zürcher Regierungsrat für zwei Atomkraftwerke, aber gegen ein Endlager aussprechen kann.

Graf gilt als Urgrüner, wenn es um Umwelt und gegen AKW geht. In sozialen und wirtschaftlichen Fragen gibt er sich liberal und pragmatisch. Und wenn er über Bürokratie und unnütze Vorschriften wettert oder seinen Vorstellungen von Eigenverantwortung in Umweltfragen spricht, könnte das genau so gut aus dem Mund eines Freisinnigen stammen. (rsc/sda)

Erstellt: 03.04.2011, 12:38 Uhr

1

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

1 Kommentar

Nadja Rossi

03.04.2011, 17:16 Uhr
Melden

Ein höchst bedauerlicher Entscheid, den das Zürcher Stimmvolk mit der Abwahl von Hans Hollenstein gefällt hat. Herrn Hollenstein habe ich in den vergangenen Jahren als überaus kompetenten Regierungsrat erlebt, der über fundierte Dossierkenntnisse verfügte. Antworten



Populär auf Facebook Privatsphäre

Zeigen Sie uns Ihr Lieblingsbild

  • Schicken Sie uns Ihr bestes Foto an redaktion@zol.ch, Vermerk «Leserbild der Woche». Im ZO/AvU publizierte Fotos werden mit 100 Franken belohnt.

Facebook

Werden Sie Fan vom Anzeiger von Uster.

Der Zürcher Oberländer auf Facebook




© ZO-Online 2011 Alle Rechte vorbehalten