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«Ein gutes Rennen ist nur ein Türöffner»

Interview: Florian Bolli. Aktualisiert am 17.07.2012

Alex Sauber ist seit zweieinhalb Jahren Marketing- Direktor im Team seines Vaters. Er sagt, wie er den Rennstall vermarktet und weshalb in der Formel 1 Lachsbrötchen weniger wichtig sind als im Fussball.

Alex Sauber, Sohn von Peter Sauber, ist seit zweieinhalb Jahren Marketing-Direktor im Formel 1 Team. (Bild: Nicolas Zonvi)

Alex Sauber, Sohn von Peter Sauber, ist seit zweieinhalb Jahren Marketing-Direktor im Formel 1 Team. (Bild: Nicolas Zonvi)

Zur Person: Alex Sauber

Der Sohn von Peter Sauber ist studierter Jurist und absolvierte das MBA in Football Industries in Liverpool. Von 2007 bis 2009 arbeitete er in der Kommerzabteilung des Grasshopper-Club Zürich. Anfang 2010 wurde er Marketing-Direktor im Formel-1-Team seines Vaters. Alex Sauber ist 39-jährig und lebt in Zürich. (fbo)

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Als Sie vor drei Jahren beim Grasshopper-Club arbeiteten, sagten Sie, es sei nie zur Diskussion gestanden, in der Firma des Vaters zu arbeiten. Nun tun Sie das seit über zwei Jahren. War der Wechsel für Sie speziell?
Alex Sauber: Der Wechsel kam unerwartet, für alle Beteiligten. Rückblickend ist er aber sehr positiv. Für meine persönliche Entwicklung einerseits, weil es eine Riesenchance war. Andererseits hat sich die Zusammenarbeit mit meinem Vater als sehr gut erwiesen – sofern wir zusammen arbeiten.

Ihr Vater ist in Hinwil nicht mehr operativ tätig – inwiefern treffen Sie sich auf geschäftlicher Ebene mit ihm?
Wir haben an Rennwochenenden einen sehr engen Austausch – man ist ja vier Tage lang sehr nahe beisammen, wie in einem Klassenlager oder im Militär. Und natürlich hat die Geschäftsleitung als Ganzes mit ihm einen regen Austausch, weil er nach wie vor eine tragende Säule in der Firma ist.

Wie lange mussten Sie sich den Wechsel in die Firma des Vaters überlegen?
Den habe ich mir länger überlegt (lacht). Wegen der familiären Konstellation, und weil ich die Anfrage von Monisha Kaltenborn überhaupt nicht erwartet hatte. Aus beruflicher Sicht musste ich nicht lange überlegen, ob ich von einem nationalen Sportbetrieb in ein international tätiges Unternehmen wechseln möchte. Zu bedenken galt es vielmehr die Zusammenarbeit im Betrieb des Vaters. Letztlich sprach aber sehr viel dafür. Hemmend war die Vorstellung, nach Hinwil zurückzukehren. Ich kannte viele Leute von früher her, als mein Bruder und ich während den Ferien hier arbeiteten. Ich wusste nicht, was sie nun für Erwartungen in mich haben.

Fühlen Sie sich speziell unter Druck?
Der Druck ist allgegenwärtig. Man nimmt ihn mit ins Wochenende, wenn man frei hat. Das wird bei mir verstärkt dadurch, dass ich in der Firma des Vaters arbeite. Ich bin automatisch noch mehr involviert.

Glauben Sie, dass Sie einen Vorteil geniessen, weil Sie Sauber heissen und nicht Meier oder Müller?
Ja, sicher. Es ist ein Vorteil, dass die Leute eine Kontinuität sehen. Mein Vater hat einen sehr guten Namen, davon profitiert das Unternehmen – und natürlich auch ich persönlich.

Können Sie von Erfahrungen profitieren, die Sie bei GC gemacht haben?
Das ist eine schwierige Frage. Ich bin gelernter Jurist, das hilft überall. Das, was man einem Sponsor verkauft, schaut ein Jurist wohl etwas pragmatischer an als ein Marketingmann. Das hilft mir bei Verhandlungen sicher. Bei GC hatte ich bis zu einem gewissen Grad auch mit Marketing zu tun. Es geht immer darum, Partner, Kunden, Fans zufriedenzustellen – insofern gibt es Parallelen. Letzlich lebt jeder Sportbetrieb davon, dass er einerseits möglichst erfolgreich ist und andererseits das Umfeld möglichst gut gestaltet.

Stimmt es, dass die Idee zur Partnerschaft mit Chelsea bei einem Bier mit dem Sohn eines Chelsea-Beraters entstand?
Nein, das stimmt nicht. Die Idee wurde von ihm an uns herangetragen. Ich führte anschliessend das erste Meeting mit dem Chelsea-CEO und spielte eine tragende Rolle. Die Partnerschaft ist eine sehr gute Sache, aber sie war nicht meine Idee. Ich kam nicht aus dem Fussball hierher mit der Vorstellung, einen Link zwischen diesen beiden Welten zu schaffen.

Kommen Sie dank den guten Resultaten in dieser Saison leichter an neue Sponsoren?
Der sportliche Erfolg ist unbestritten wichtig. Wenn wir wie in dieser Saison gut dabei sind und immer die Chance haben, ganz nach vorne zu fahren, ist das ein Türöffner. Ein Entscheidungskriterium aber nicht.

Wenn gute Resultate ein Türöffner sind, bedeutet der sportliche Erfolg für Sie auch mehr Arbeit?
Tatsächlich sagten mir nach einem guten Resultat schon Teammitglieder scherzhaft: «Nun bist du dran.» Man kann aus einem positiven Resultat viel herausziehen. Man kann es benutzen, um bestehende Kontakte wieder anzugehen oder neue zu öffnen. Es ist eine intensive Zeit, doch unser Ziel ist, dass die Akquise das ganze Jahr läuft, unabhängig vom sportlichen Tagesgeschäft.

Sauber hat mehr mexikanische als japanische Partner. Ist Sergio Pérez leichter zu vermarkten als Kamui Kobayashi?
Einerseits gingen für uns dank den Kontakten von Telmex viele Türen auf. Zudem ist um Pérez in Mexiko ein Hype entstanden, die Mexikaner sind sportbegeistert, und sie hatten in der Formel 1 eine lange Durststrecke. Auch Kamui ist sehr populär, doch Japan ist mit der Atomkrise und der geschwächten Wirtschaft ein Land, das sich momentan generell nicht stark im internationalen Sport engagiert – dagegen kann Kamui auch nicht viel ausrichten.

Der Job im Fussball war für Sie Herzenssache. Haben Sie auch einen emotionalen Zugang zur Formel 1?
Ich wollte immer im Sport arbeiten und möglichst nahe am Geschehen sein – das ist man in einem Fussballklub oder bei einem Rennstall, auch wenn man auf der kommerziellen Ebene arbeitet. Emotional ist beides nervenaufreibend – die Formel 1 noch mehr, weil es viel mehr mitentscheidende Faktoren gibt. Früher habe ich die Rennen geschaut und konnte mich dabei nicht nur freuen oder aufregen, sondern fragte mich auch immer, was das Resultat für meinen Vater und sein Team heisst. Es war eine eher sachliche Herangehensweise.

Wie erleben Sie Formel 1 im Unterschied zum Fussball?
Den grossen Unterschied macht die Technik aus. Die Brainpower in der Formel 1, auf wie viele gescheite Leute man da trifft und wie alles auf das Auto und die Strecke heruntergebrochen wird, das ist faszinierend. Diese Komponente gibt es im Fussball nicht. Und aus Marketingsicht kann ich am Rennwochenende mehr bieten. Einen Einblick in das Team, in die Technik, in die Garage, ein Treffen mit dem Fahrer eine Stunde vor dem Rennen. Der Gast nimmt das als Gesamterlebnis mit – und nicht, was tatsächlich auf der Strecke ablief. Im Fussball kann es ein 0:0 geben, dazu war vielleicht das Lachsbrötchen nicht so gut – und das Erlebnis war nicht gut. Ich hatte in der Formel 1 noch keinen Gast, der nicht beeindruckt war.

Lesen Sie das ganze Interview im ZO/AvU vom Mittwoch, 18. Juli. (ZO-Online)

Erstellt: 17.07.2012, 20:13 Uhr

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