Schweizer Reiter auf Medaillenkurs
Die Schweizer Medaillen
Gold:
-Nicola Spririg, Triathlon
Silber:
-Roger Federer, Tennis
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Nach dem ersten Nationenpreis-Umgang führen überraschend mit einem Punkt die WM-Achten aus Saudi Arabien. Doch dahinter lauern gleichauf Schweizer, Holländer, Engländer und Schweden.
Diese vier Nationen weisen nach dem technisch anspruchsvollen ersten Nationenpreis-Kurs im Greenwich-Park über 13 Hindernisse je vier Punkte auf. Doch auch Kanada (5), Olympia-Titelverteidiger USA und Brasilien (je 8) sind weiter im Rennen um die Team-Medaillen. Überragend in der Schweizer Mannschaft ritten Paul Estermann mit Castefield Eclipse und Pius Schwizer mit Carlina, die fehlerlos blieben. Doch auch Steve Guerdat mit Nino des Buissonnets und Werner Muff mit Kiamon, die je nur einen Abwurf am gleichen Hindernis beklagten, trugen wesentlich zur hervorragenden Ausgangslage bei.
Estermanns siebter Blankoritt
Erneut verblüffte Paul Estermann mit seiner zehnjährigen Irländer-Stute Castlefield Eclipse. Der Luzerner blieb auch in der siebten Nationenpreisrunde nacheinander nach den Doppelnullern in Rom, Rotterdam und Aachen makellos. «Uns gelang wiederum ein Superritt. Milly ist äusserst ruhig und kämpft toll mit. Wir hatten nur einen kurzen Schreckmoment nach der Planke, als ich etwas heftig in die Doppelkombination kam. Aber die Stute ist so locker und springvermögend, dass sie nirgends touchierte. Ihre Hochform hält an. Hoffentlich geht das so weiter.»
Nach intensiven Gesprächen vermochte sich Pius Schwizer nach dem vermasselten Aufgalopp am Samstag mächtig zu steigern. Der Weltranglistendritte aus Oensingen, der mit acht Punkten und Zwischenrang 60 nur mit viel Glück das Ausscheiden im Einzel hatte verhindern können, sorgte mit der Holsteiner-Stute Carlina als Schlussreiter für die zweite Schweizer Nullerrunde. «Mir ist nicht nur ein Stein, sondern ein riesiger Felsbrocken vom Herzen gefallen», bekannte der Luzerner. «Ich konnte den Druck, den ich mir selbst auferlegt hatte, mit Hilfe des Equipenchefs und meiner Teamkollegen abbauen. Ich habe bei Carlina auch wieder das Gebiss gewechselt. Jetzt sind wir wieder im Gleichgewicht. Die Stute ist nicht mehr zu kribbelig. Ich habe mir eingeredet, dass Olympia für mich erst mit dem Nationenpreis beginnt.»
Abwurf an der Post-Box
Steve Guerdat mit dem Franzosen-Wallach Nino des Buissonnets und Werner Muff mit dem Brandenburger-Wallach Kiamon, die tags zuvor wie Estermann ohne Fehler geblieben waren, drehten gute Runden, scheiterten aber am gleichen Hindernis, der rot eingefärbten Post-Box, einem 160 cm hohen Steilsprung. Guerdat: «Ich musste etwas zu viel Bein an der Tripple Barre geben. Dadurch verloren wir etwas die Kadenz. Es war mein Fehler», entschuldigte sich der Jurassier, dessen Nino sonst hervorragend sprang. Auch Werner Muff, der vor Selbstvertrauen strotzt, haderte leicht: «Der Abwurf wäre vermeidbar gewesen. Ich hatte eine etwas zu unruhige Linie und verlor kurz die Balance.»
Eine erfreuliche Zwischenbilanz durfte Equipenchef Grünig ziehen: «Ich bin sehr zufrieden, aber nicht ganz glücklich. Denn es wäre auch eine komplette Nullerrunde möglich gewesen. Ein erstes Zwischenziel haben wir mit dem Vorstoss in die zweite Nationenpreisrunde erreicht. Jetzt ist alles offen und vieles möglich.»
Out für Deutschland und Frankreich
Der erste Nationenpreis-Umgang führte für drei ruhmreiche Pferdesport-Nationen zu einem Desaster. Mit Welt- und Europameister Deutschland und den WM-und EM-Zweiten aus Frankreich, die vor Monatsfrist noch den traditionsreichen Nationenpreis in Aachen gewonnen hatten, schieden ebenso aus wie die WM-Dritten aus Belgien mit Philippe Le Jeune und Jos Lansink, den beiden Einzel-Weltmeistern von 2010 und 2006. Deutschland rangierte mit 12 Punkten zusammen mit Australien auf Rang 10, Frankreich mit 14 Punkten auf Platz 12 und Belgien mit 16 Zählern auf Rang 13 unter 15 Ländern. Nur deren acht erreichten aber die zweite Runde.
«Das ist sehr bitter. Wir hatten keinen Lauf und kein Glück», fasste der deutsche Bundestrainer Otto Becker zusammen. «Wir hatten zu viele Ausfälle. Das können auch wir bei dieser Leistungsdichte nicht verkraften. Wir müssen uns aber an der eigenen Nase packen.» Deutschland fehlten mit Ludger Beerbaum, Marco Kutscher, Carsten-Otto Nagel und Philipp Weishaupt eine ganze Equipe wegen Unterform, Verletzungen und Verzichten. Auch Frankreich verzeichnete keine Blankoritte. Die Pechsträhne wurde von Startreiter Simon Delestre eingeleitet, dessen Oldenburger Napoli du Ry vor dem letzten Hindernis verweigerte.
40 Millionen für 16 Pferde
Saudi Arabiens Führung überrascht, kommt aber nicht von ungefähr. In den letzten beiden Jahren wurden rund 40 Millionen Franken für 16 Spitzenpferde ausgegeben, und die Reiter, die ihr Basislager in Belgien haben, erzielten unter Trainer Stanny van Paesschen enorme Fortschritte. (kes/si)
Erstellt: 05.08.2012, 19:03 Uhr
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