Kleinkunst in all ihren Facetten
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Das Glücksspiel Bingo riecht etwas angestaubt - nach Zusammenkünften in Altersheimen oder Kirchgemeinden. Die Teilnehmenden richten bei diesem Lotterietreiben ihre Blicke angestrengt auf die Coupons, um bei einem allfälligen Gewinn lauthals «Bingo» zu rufen. Dann darf eine Heizdecke in Empfang genommen werden. Am Comedy- und Musicfestival packt der Zürcher Spasspapst Beat Schlatter den Staubwedel aus. Seine Mission, das Glücksspiel von seinem Mief zu befreien, setzt er seit zehn Jahren erfolgreich um. An Beat Schlatters Bingo-Show gibt es Gewinne, die skurril und gleichzeitig von unverkäuflichem Wert sind: Eines Morgens von Wetterfrosch Thomas Bucheli den Wetterbericht auf dem hauseigenen Balkon präsentiert zu bekommen oder von Beat Schlatter persönlich mit einer Gutenachtgeschichte in den Schlaf gewiegt zu werden. Die Preise sind so unberechenbar wie die Zahlenfolgen, die zum möglichen Gewinn führen. Das Entertainment, das Schlatter und seine Assistentin Moni Money dem Publikum bieten, ist die einzige Konstante.
Youngsters und alte Hasen
Eher unberechenbar verläuft der Vorverkauf des Festivals in Dübendorf: «Es ist auch immer etwas wetterabhängig», sagt Rolf Hiltebrand, Leiter des Kulturzentrums Obere Mühle. Bis jetzt seien etwa 60 bis 70 Prozent der Tickets weg. Vor allem die bekannteren Namen würden den Absatz reissen. Beispielsweise der Zuger Michael Elsener, der für seine Parodien auf Schweizer Bekanntheiten gefürchtet wird. Auf der anderen Seite der gestandene Rolf Schmid, besser bekannt als «I mag eifach nid»-Rolf, der die Geister mit seinem breiten Bündner Dialekt schon seit 15 Jahren scheidet. «Entweder man mag ihn oder nicht», sagt Hiltebrand.
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Schwerer haben es die in unseren Breitengraden weniger bekannten Namen. Das Keimzeit Akustik-Quartett oder Unsere Lieblinge bieten nicht eben Programme, die regelmässig in die heimischen Stuben des durchschnittlichen SRG-Gebührenzahlers gestrahlt werden. In ihrem Zusammenhang spricht Hiltebrand von «unbekannten Perlen». Die Zwei-Mann Band Unsere Lieblinge biete musikalisches Kabarett, das man gemäss Hiltebrand einfach «gesehen haben muss». Keimzeit bringen ihren ostdeutschen Charme nach Dübendorf, wie es Udo Lindenberg nicht besser gelingen würde. Das Wort Geheimtipp ist im Falle von Keimzeit etwas vermessen - in ihrer ostdeutschen Heimat spielten sie schon vor 80 000 Zuschauern.
Erfolg braucht Zeit
Einen Völkerauflauf in dieser Dimension erwarten die Veranstalter des Festivals in Dübendorf nicht. «Es braucht drei bis vier Jahre, um einen solchen Anlass zu etablieren», meint Rolf Hiltebrand. Das Festival ist noch jung, hat ein beschränktes Budget, was vielleicht auch erklärt, dass die meisten Programme im Zürcher Oberland nicht zum ersten Mal gezeigt werden. Doch die Premiere im letzten Jahr habe gezeigt, dass die Nachfrage bei den Zuschauern gross ist. Auf der «Musik»-Seite des Festivals ist der innovative und gestandene Volksmusiker Max Lässer zu erwähnen, der im Gegensatz steht zu einem Abend mit Nachwuchsbands aus der Region. Rolf Hiltebrand zur Zielgruppe des Festivals: «Leute, die an Kleinkunst interessiert sind, an einem schönen Ort in eine andere Atmosphäre eintauchen und sich kulinarisch verwöhnen lassen wollen.» Ein Glückspilz, wer nebst all dem noch einen Wetterfrosch auf den Balkon gewinnen kann.
Erstellt: 25.05.2010, 09:00 Uhr
