«Jugendliche sind realistischer»
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Die Lage im Lehrstellenmarkt ist diesen Sommer nicht so angespannt wie die Jahre zuvor - das ist auch im Oberland zu spüren. «Knapp 60 Lehrstellen waren gestern in den Bezirken Uster, Hinwil und Pfäffikon noch frei», sagt Annemarie Diehl, Leiterin Berufsberatung beim Berufsinformationszentrum Biz in Uster. Im Vergleich zum Vorjahr gab es Ende Juni 95 freie Lehrstellen mehr im Kanton. In den Bezirken Uster und Pfäffikon waren es allerdings zwei Lehrstellen weniger, im Bezirk Hinwil dafür eine mehr.
Nicht zu früh aufgeben
Laut Diehl gibt es aber keinen Bezirk in der Region, der dieses Jahr mit deutlich mehr oder weniger Lehrstellen als im Vorjahr auffällt.
Die begehrtesten Lehrstellen, also jene im kaufmännischen Bereich, sind alle besetzt. Rar sind auch solche im Detailhandel. Schreiner oder Autolackierer würden hingegen immer noch gesucht. Es sei allerdings schwierig, die «unbeliebten» Lehrstellen zu benennen.
Am schwierigsten sei die Lehrstellensuche nach wie vor für ausländische Sek-C-Schüler, sagt Diehl. «Doch es gibt auch Schüler aus der Sek B, die noch keinen Ausbildungsplatz haben.» Gemäss Diehl ist es wichtig, dass die Jugendlichen die Lehrstellensuche nicht zu früh aufgeben. «Wir bekommen jede Woche Anrufe von Betrieben, die noch Lehrlinge aufnehmen können. Es ist nie zu spät, eine Stelle zu suchen.»
Orientierung ist schwierig
Der Traumberuf - für viele Jugend- liche bleibt er tatsächlich ein Traum. Die kaufmännischen Berufe sind begehrt und schnell weg, und das scheinen die Jugendlichen zu wissen. Auffallend sei, dass die jungen Erwachsenen in ihrer Berufswahl realistischer seien als noch vor ein paar Jahren.
Aus Verzweiflung eine Lehrstelle anzunehmen, die man eigentlich gar nicht wolle, sei aber definitiv falsch. Doch die Orientierung im Arbeitsmarkt sei schwierig. «Es kommt vor, dass die Jugendlichen einfach froh sind, dass sie eine Lehrstelle gefunden haben», sagt die Berufsberaterin. «Wenn jemandem das Schnuppern in einem Betrieb gefallen hat, bedeutet das noch nicht, dass der Beruf auch der richtige ist.»
Gleich viele Beratungen
Es sei wichtig, sich bei Unsicherheiten beraten zu lassen. «Oft kommen Jugendliche zu uns, die eine Lehrstelle abgebrochen haben, weil diese nicht auf sie zugeschnitten war.» Eine Möglichkeit sei beispielsweise das zehnte Schuljahr. Obwohl es dieses Jahr mehr Lehrstellen gibt, hat die Anzahl der Beratungsgespräche nicht abgenommen. «Wir beginnen bereits in der zweiten Oberstufe damit, die Jugendlichen zu orientieren.» Für junge Erwachsene bis 20 Jahre, die ohne oder mit einer abgebrochenen Lehrstelle dastehen, bietet das Biz eine sogenannte SOS-Sprechstunde an.
Wie sind die Prognosen fürs nächste Jahr? So eine Einschätzung sei schwierig, sagt Diehl. «Klar ist, dass die Schülerzahlen sinken. Doch wie der Lehrstellenmarkt sich entwickeln wird, kann man nicht voraussagen.»
Das Biz Uster bietet Einzelberatungen für Lehrstellensuchende an. Anmelden kann man sich unter Telefon 044 905 45 45. Weitere Informationen und Angebote gibt es auf der Internetseite www.berufsberatung.zh.ch
Erstellt: 11.07.2008, 09:00 Uhr
