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Walter Flessati: «Leistung ohne Begeisterung ist Quatsch»

Von Andres Eberhard. Aktualisiert am 09.08.2012

Nichts ist spannender als Menschen, die etwas zu erzählen haben. Die Serie «Kopf der Woche» stellt solche Personen ins Zentrum. Diesmal erzählt Walter Flessati, ehemaliger Präsident des Zürcher Kantonalschützenverbandes und OK-Präsident des diesjährigen Kantonalschützenfestes, aus seinem Leben.

«Leistungsorientierung ist doch etwas sehr Natürliches»: Walter Flessati coacht Menschen im Berufsleben wie auch im Sport. (Bild: Nicolas Zonvi)

«Leistungsorientierung ist doch etwas sehr Natürliches»: Walter Flessati coacht Menschen im Berufsleben wie auch im Sport. (Bild: Nicolas Zonvi)

Walter flessati trainiert die Ustermer Erstliga-Handballer. (Archivbild: ZO/AvU)

Zur Person

Walter Flessati lebt mit seiner Frau Brigitte und den beiden gemeinsamen Söhnen in Uster. Der 52-Jährige ist gelernter Kaufmann und Betriebsökonom und hat ein HR-Leiter- und ein Coaching-Diplom. Karriere machte der Sohn italienischer Eltern im Personalwesen, wo er zuletzt neuneinhalb Jahre bei Coop Personalchef der Verkaufsregion Zentralschweiz-Zürich war. Anfang 2010 machte er sich selbständig. Mit seiner Firma Cosb AG bietet er Unternehmen Coaching, interne Führungs- und Kommunikationstrainings sowie Beratung in Personal- und Organisationsentwicklung an. Daneben ist Flessati als Trainer der Ustermer Erstliga-Handballer tätig. (eba)

Doppelpass

Erfolgreich zu sein, bedeutet für mich...
...gehört zu mir.

Wenn ich nicht ins Schwarze treffe...
...das machen zu dürfen, was ich mir gewünscht habe.

Wenn ich ein zweites Leben hätte, würde ich...
...das erste weitgehend wiederholen. Zwar hat mich der Gedanke, Lehrer zu werden, ein Leben lang geprägt. Vielleicht wäre ich es auch geworden, wenn ich genug Geld für die Ausbildung gehabt hätte. Wobei mir der Beruf wohl zu wenig leistungsorientiert wäre.

Ich bin nicht Psychologe geworden, weil...
...das nicht zu mir passt. Ich möchte nicht nur der neutrale Experte sein, sondern meine eigene Leidenschaft mitgeben und im Team erfolgreich sein.

Heimatgefühle kommen bei mir auf...
...wenn ich nach zwei Wochen Ferien wieder nach Uster zurück darf.

Das Glück finde ich...
...in der Arbeit und in der Familie.

Das Schöne am Sport ist...
...Dynamik, Emotionen, Teamgeist.

Wenn das Fest vorbei ist...
...gehe ich mit meiner Frau einige Wochen in die Ferien.

Meinen Kindern wünsche ich...
...Glück und Gesundheit. Ausserdem Erfüllung im Beruf sowie eine gesunde Balance zwischen Leistungsorientierung und Zeit zur Entspannung.

Die Lebensweisheit «You can get it if you really want» stimmt...
...auf jeden Fall.

Interview: Andres Eberhard

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Walter Flessati ist ein Antreiber. Ein Coach, der «keine halben Sachen» macht. «Leistung ohne Begeisterung ist Quatsch», sagt er.

Das Feuer in den Menschen wecken, das ist seine Stärke. Mit dieser Eigenschaft machte er Karriere; im Personalwesen, wo er es bis zum Personalchef von Coop schaffte. Seit zweieinhalb Jahren ist Flessati selbständig und lehrt mit seiner Coaching-Firma Cosb AG anderen Unternehmen den Erfolg. Daneben amtet er als Trainer der Ustermer Handballer. Sowohl im Job, als auch im Sport ist es dabei stets seine Aufgabe, andere Menschen zu Höchstleistungen zu bringen. «Das ist es, was ich gut kann», sagt er, «ich kann Menschen zum Performen bringen.»

Mit Leistung und Erfolg beschäftigt sich Flessati jeden Tag – ob er dabei in seinem eigenen Büro an der Winterthurerstrasse in Uster Kunden betreut oder im Buchholz die jungen Ustermer Handballer trainiert. Es scheint daher durchaus angebracht, Walter Flessati die Frage zu stellen: «Was macht den Erfolg aus?» Der 52-Jährige lehnt sich vor und sagt: «Es braucht Persönlichkeit, Leidenschaft, hohe Dienstleistungsbereitschaft und Lösungsorientierung. Zudem sollte man nicht abheben und authentisch bleiben.»

Dabei bekommt es Flessati mit einer Vielzahl von Menschentypen zu tun. In seiner Firma betreut er Kunden aus sehr unterschiedlichen Branchen: Banken, Medienunternehmen, Detaillisten oder Baufirmen. Und im Handballtraining mischen sich ambitionierte junge Talente mit Hobbysportlern. Das Ziel seiner Arbeit ist immer dasselbe: Flessati nennt es den «idealen Leistungszustand». Damit meint er vereinfacht gesagt die beste Leistung unter den gegebenen Voraussetzungen.

Für ihn ist es das Schönste, wenn sein Coaching zum Erfolg führt. «Es stellt mich auf, wenn jemand zu mir kommt und mir sagt, ‹ich habe gemacht, was wir erarbeitet haben›, und es dann geklappt hat», sagt Flessati. Wie aber schafft er das? Er selber spricht von «aktivem Zuhören» und «ressourcenorientierten Fragetechniken». Die Antwort ist typisch für Flessati, der viel spricht und dabei auch gerne Fachausdrücke verwendet. Fast wichtiger scheint aber sein Auftreten zu sein. Wer ihn als Handballcoach kennt, weiss, wie er während Spielen mitgeht. Er feuert seine Mannschaft an, nimmt seine Spieler zur Seite, muntert sie auf. Sein Optimismus steckt an.

Flessati ist ein erfahrener Handballtrainer. In einem Jahr schaffte er einst zwei Aufstiege: mit den Ustermer Frauen in die Nationalliga A und mit den Männern in die erste Liga. Praktisch während den ganzen Neunzigerjahren war er Frauen-Coach auf höchster nationaler Stufe. 2009 übernahm er erneut die Männer in der ersten Liga.

Von der Erfahrung im Sport weiss er, was Spitzenleistung bedeutet – und dass diese auch von der Einstellung abhängt. «Ich verstehe all diejenigen, die einfach Spass haben wollen», sagt er über sein jetziges Team, das sich leistungsmässig zwischen Hobby- und Leistungssport bewegt. Er kritzelt auf ein Stück Papier zwei Typen von Sportlern: Typ A, der Spitzenathlet, setzt den Fokus voll auf Handball. Typ B, der Hobbyathlet, hat zusätzlich andere Interessen, die ihm wichtig sind. Flessati muss als Trainer diesen Spagat schaffen – und auch Typ B zur Höchstleistung zu bringen.

Als welchen Typen bezeichnet er sich selbst? Ohne zu zögern tippt er mit dem Finger auf seine selbst gemachte Skizze: «Typ A». Flessati weiss, was er will. Doch auch er kennt Zweifel. Vor rund zweieinhalb Jahren bekamen diese für einen kurzen Moment selbst bei ihm, dem Berufs-Optimisten, Überhand. Er erinnert sich an einen Tag im Winter 2010, als er alleine auf einer Parkbank sass und die Entscheidung hinterfragte, die Karriere als Personalchef bei Coop nach neuneinhalb Jahren aufzugeben, um sich selbständig zu machen. Eben noch hatte er von der Sekretärin jeden Tag den Kaffee serviert bekommen. «Und dann sass ich plötzlich alleine auf dieser Parkbank, ass ein Brötli und es schneite mir auf den Kopf.»

Der Anfang war für seine Firma Cosb AG, mit der er neben Coaching auch Führungstrainings und Beratung anbietet, schwierig. «Obwohl ich mich wirklich gut vorbereitet hatte, musste ich einsehen, dass in diesem hart umkämpften Markt niemand auf mich gewartet hat», sagt Flessati. Den Moment auf der Parkbank betrachtet er heute als wegweisend. «Es musste vorwärts gehen», sagt er.

Zweieinhalb Jahre später ist Flessatis Firma mit Aufträgen gut im Schuss. In diesem Jahr ist sein Terminkalender voll. Dass er bereits im zweiten Jahr die Gewinnzone erreichte, erklärt er sich damit, dass sich seine Referenzen in der Geschäftswelt herumgesprochen haben. Nun überlegt er sich, sein Geschäft zu vergrössern und Personal anzustellen.

Egal ob im Beruf oder im Sport – Flessatis Denken ist auf Leistung ausgerichtet. Wer daher aber glaubt, Flessati komme nie zur Ruhe, irrt. «Es braucht viel, bis er gestresst ist», sagt seine Frau Brigitte. «Er ist ein sehr ehrgeiziger und positiv denkender Mensch, der anders mit Druck umgeht als andere. Ausserdem ist er ein glaubwürdiges Vorbild.» Auch Flessati selber findet an der Leistungsorientierung nichts Negatives. «Es ist ja etwas sehr Natürliches», sagt er. «Man denke nur einmal daran, wie anstrengend bereits der Geburtsprozess des Menschen ist.» (ZO/AvU)

Erstellt: 08.08.2012, 20:34 Uhr

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