Ustertag im Zeichen von Europa
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Der Ustertag ist im Ustermer Terminkalender zwischen Uster Messe und Uster Märt positioniert. Seine historische Bedeutung ist aber ungleich grösser, wird doch des Ustertags vom 22. November 1830 gedacht. An diesem Tag trafen sich 10'000 Zürcher auf dem Zimikerhügel, um gegen die Regierung zu protestieren. Friedlich wie Vorredner Ivo Koller betonte.
Der Gemeinderat der Ustermer Jungfreisinnigen ist Polizist in Zürich und sorgt sich über die wachsende Gewaltbereitschaft. Vor 181 Jahren seien trotz Wut Ausschreitungen verhindert worden. «Heute wird nicht einmal ein Grümpelturnier ohne Sicherheitskonzept durchgeführt.» Er appellierte an die Selbstverantwortung und wünscht sich eine Verschärfung der Strafen.
Schweiz: Ein Glücksfall
Mit viel weiter gefassten Problemen befasste sich der Hauptredner Konrad Hummler. Der Banker, er ist geschäftsführender Teilhaber der Wegelin & Co. Privatbankiers in St. Gallen, nahm sich des Themas Europa an. Die Geschehnisse des Ustertags seien in Zeiten der Krise erfolgt und hätten zu weitreichenden Entscheidungen geführt. «Heute leben wir mit Gewissheit wieder in einer Zeit weitreichender Entscheidungen.» Heute sei stabiler Frieden nicht mehr ein Markenzeichen Europas, und der technologische Fortschritt «hat der Globalisierung buchstäblich Flügel verliehen».
In Europa sei von Zusammenrücken und von der «Bildung einer eigentlichen Bundesstaatlichkeit» die Rede. Dass die Schweiz als Vorzeigenation für ein solches Vorhaben herhalten müsse, sei historisch falsch. «Die Schweiz ist bei Weitem mehr ein Zufallsprodukt der Geschichte – ein Glücksfall vielleicht –, eine Fügung, wenn Sie so wollen.» Er stellt sich aber klar hinter sein Land: «Die Schweiz ist, was sie ist, und sie ist gut. Mehr nicht, bitte.»
Einig mit Christoph Blocher
Er forderte dazu auf, eine neue Europa-Strategie zu wagen. Dies sei aber nur möglich, wenn das seit 20 Jahren andauernde Misstrauen bezüglich einer versteckten Beitrittsagenda ausgeräumt würde. Dieses sei mitunter Grund für den Vormarsch der SVP. Es sei an der Zeit, «dem Anführer des Widerstands gegen den EU-Beitritt, Christoph Blocher, in dieser – und nur in dieser – Sache endlich einmal Recht zu geben».
Als nächster Schritt müsse sich die Schweiz in einem neu geordneten Europa als beitrittsfähig erweisen, ohne beitreten zu wollen. Hummler forderte eine Dualität der Doktrin im Sinne, «dass sowohl Eigenständigkeit ohne Wenn und Aber als auch Zusammenarbeitsfähigkeit und -wille sich die Waage halten müssen». Er schloss mit den Worten: «Die Schweiz braucht die Welt – und die Welt braucht auch die Schweiz.»
Die ungefähr 800 Zuhörer in der gut besetzten Kirche gaben sowohl dem Vor- und dem Hauptredner als auch der Stadtmusik und dem Konzertchor des Sängerbundes für ihre Vorträge reichen Applaus. Nach dem schon obligaten Salutschuss der Compagnie 1861 zog die Festgemeinde in die Landihalle zum ebenso obligaten Apéro mit anschliessendem Risottoessen in der Stadthalle.
Parallelveranstaltung Grüner Ustertag
Der diesjährige Grüne Ustertag befasste sich mit Fragestellungen rund um ökologische, ökonomische und soziale Herausforderungen. Gut zwei Dutzend Interessierte folgten am Samstagabend im Saal des Freizeit- und Jugendzentrums Frjz den Ausführungen von Politikern und Energiefachpersonen.
Kantonsrätin Ornella Ferro (Grüne, Uster) betonte, dass die dringend nötige Energiewende zum einen eine Frage des politischen Willens sei. «Es ist aber auch eine Frage der Gerechtigkeit. Wir können nicht auf Kosten der nächsten Generationen leben.»
Lesen Sie mehr zum Ustertag und zum Grünen Ustertag im ZO/AvU vom Montag, 21. November. (ZO/AvU)
Erstellt: 20.11.2011, 22:47 Uhr
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