Politik für die Pflege des Kulturerbes gewinnen
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Sie leiten ein Projekt namens «Kulturerbe Zürcher Oberland». Gibt es überhaupt ein spezifisch Zürcher Oberländer Kulturerbe?
Hans Thalmann: Ja, und es ist reich! Ich war selber überrascht, als sich unsere Arbeitsgruppe einen Überblick verschaffte, obwohl ich hier aufgewachsen bin. Allem voran steht das grosse Industrieerbe und die bedeutende Natur- und Kulturlandschaft. Zum Kulturerbe gehört zum Beispiel auch Kulinarisches: das Getränk Rivella, das in Uster erfunden wurde. Und natürlich die «Natürli»-Produkte. Oder Anlässe wie der Ustertag und der Grüninger Herbstmarkt. Bestimmt einzigartig in der Schweiz sind das Jazzorama in Uster und das Fliegermuseum in Dübendorf. Die Pfahlbauten am Pfäffikersee sind jetzt gar Unesco-Welterbe. Wer weiss, vielleicht wird es dereinst auch unser Industriepfad, wenn er sich mit dem europäischen Netz verbindet.
Wie grenzen Sie sich zu Zürich, zu Winterthur und zu Rapperswil ab?
Das Forschungsprojekt «S5-Stadt» zeigte, dass die Menschen die Grenzen ihrer Region ganz unterschiedlich sehen. Wir zerbrachen uns deshalb nicht lange den Kopf, wo das Zürcher Oberland beginnt und wo es aufhört. Wir haben einfach all jene, die sich selber zum Zürcher Oberland zählen, mit ins Boot genommen.
Was ist das Ziel des Projekts?
Wir möchten die Pflege des Kulturerbes weiter verbessern und zum festen Teil der regionalen Politik machen. Deshalb haben von Anfang an die Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Region Züricher Oberland gesucht. Weiter möchten wir die Kräfte stärker bündeln. Die «Konferenz Kulturerbe Zürcher Oberland» ist ein erster Schritt. In den Vorgesprächen hörten wir oft, es happere mit der Zusammenarbeit unter jenen, die sich für das Kulturerbe einsetzen. «Jedes Grüpplein kocht sein Süpplein», hiess es. Schliesslich möchten wir etwas mehr Professionalität in die Pflege des Kulturerbes hineinbringen. Das heisst aber nicht Freiwillige durch Profis ersetzen. Auch Freiwillige können höchst professionell arbeiten.
Mit welchem Budget arbeiten Sie? Und woher kommt das Geld?
Bis jetzt arbeiten alle freiwillig mit. Die Arbeitsgruppe darf im Stadthaus Uster tagen. Die Dokumentationen verschicke ich zu Lasten meiner Firma. Sobald wir nun aber Teilprojekte starten, muss die Arbeit – mindestens zum Teil – bezahlt werden. Die Vereinigung Pro Zürcher Berggebiet hat beim Bund einen Beitrag zur Pflege des Kulturerbes beantragt, der Zweckverband Region Zürcher Oberland weiss, dass wir auf Unterstützung angewiesen sind. Wir rechnen im Moment für die Umsetzung der ersten fünf geplanten Teilprojekte mit Kosten von 100'000 Franken pro Jahr. Neben der öffentlichen Hand wollen wir auch Stiftungen angehen.
Das Archivzentrum wäre Sache der Privatwirtschaft. Die Buchbinderei Mönchaltorf unter der Leitung von Hans Burkhardt bietet schon jetzt als neuen Geschäftszweig Archivdienstleistungen inklusive Lager an. Hier könnte man anknüpfen.
Lesen Sie noch mehr Fragen und Antworten im ZO/AvU vom Mittwoch, 24. August (ZO/AvU)
Erstellt: 23.08.2011, 20:43 Uhr
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