Bezirk Uster
«Der Greifensee war Inspiration für mich»
Artikel zum Thema
Teilen und kommentieren
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Wieso spielt Ihr als grosse Schweizer Band am kleinen Openair Greifensee?
Kuno Lauener: Wir kennen den Greifensee gut, weil wir zwischen 1988 und 1993 in den Maurmer Powerplay Studios die Alben Bümpliz-Casablanca, Elvis, Arturo Bandini und das Live-Album Wintertour aufgenommen und nachbearbeitet haben.
Sind auch Züri West-Songs am Greifensee entstanden?
Auf jeden Fall. Ich bin oft und gerne dem See entlang spaziert und habe an irgend einer Textidee herum studiert. Im Studio haben wir uns damals manchmal ein bis zwei Monate eingemietet.
Euer aktuelles Album «Göteborg» besticht einmal mehr durch schöne Verbindungen von erzählten Geschichten und der Musik. Was kommt bei Züri West zuerst, der Text oder die Musik der Band?
Das ist unterschiedlich. Beim Song «3027» beispielsweise habe ich zuerst den Text geschrieben. Ich wollte einen «uncoolen» Song machen, der von einem Sonnenuntergang schwärmt. Ein erstes Demo mit musikalischem Gerippe habe ich dann der Band vorgestellt. Manchmal läuft es aber genau umgekehrt.
Im Song «När bring I wieder öpper um» greifst du einen typischen Neoliberalen an. Was sind deine Feindbilder?
In diesem Song ist es Einer, der seine Ideale verraten hat. Ich bin zwar auch nicht mehr derselbe, wie vor zwanzig Jahren, aber ich habe es wenigstens gemerkt. In meinem Bekanntenkreis gibt es schon den Einen oder Anderen, auf den dieser Song zutreffen würde, aber bei Beschwerden kann ich sagen: Es ist ein Coversong, die englische Originalfassung ist von Jarvis Cocker.
Wie authentisch bist denn du geblieben? Ich erinnere mich an den Kuno Lauener vor knapp dreissig Jahren an der Chilbi Spreitenbach mit schwarzer Lederhose und Rockerpose.
Natürlich spiele auch ich auf der Bühne eine Rolle, wobei Selbstironie immer ein Teil davon war. Aber die Rolle darf nicht zu weit von dem entfernt sein, was man wirklich ist. Die Lederhose habe ich übrigens noch, komme aber wahrscheinlich nicht mehr rein.
Du hast dich kürzlich über den Bundesrat aufgeregt, der es nicht für nötig erachtet, über Änderungen des Urheberrechts nachzudenken und damit nichts gegen die Gratisdownloads im Internet unternehmen will.
Es ist ungefähr so, wie wenn man von der Regierung eine rote Clownnase aufgesteckt bekommt. Unser Gewerbe ist gemäss Bundesratsbeschluss wohl das einzige, dessen Produkte problemlos gratis erworben werden können. «Göteborg» war zwar drei Wochen auf Platz Eins in den Charts, hat aber nur ungefähr die Hälfte vom Umfang der letzten CD verkauft, und uns geht es dabei noch besser als jüngeren Bands, weil unsere Fans eher noch CD’s kaufen. Für uns Musikschaffende ist bald fertig lustig, wenn es so weiter geht.
Dafür müsst Ihr die Einnahmen über Konzerte reinholen? Ihr spielt aber in Greifensee für moderate 51 Franken.
Ich finde, das ist ein stolzer Preis. Wir spielen seit 28 Jahren Tourneen mit vielen Konzerten, und eine Show, die früher dreissig oder vierzig Franken gekostet hat, wird bei einem Eintritt von plötzlich hundertfünfzig Franken nicht besser. Auch wenn dem Publikum nun vielerorts VIP- und Cüpli-Lounges angeboten werden, um höhere Eintrittspreise zu rechtfertigen.
Noch mehr Fragen und Antworten gibt es im ZO/AvU vom Donnerstag, 23. August. (ZO/AvU)
Erstellt: 22.08.2012, 15:33 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:

Bitte warten



Die Region und ihre Menschen im Sucher der ZO-Fotografen.
Bilder der jüngsten Zürcher Oberländer


