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«Solar Impulse»: Yoga statt Schlaf, Plastikbeutel statt Toilette

Aktualisiert am 22.02.2012

Für einmal geht es beim «Solar Impulse»-Projekt nicht um die Flugzeuge, sondern um die Piloten. Es wird getestet, wie diese wochenlang ohne Schlaf, ohne Toilette und mit Temperaturschwankungen von 55 Grad zurechtkommen.

1/14 «Solar Impulse» simuliert 72-Stunden-Flug
Solar-Impulse-Pilot Andre Boschberg sitzt im Flugsimulator in Dübendorf. Vom 21. bis 24. Februar simuliert Solar Impulse einen 72-Stunden-Flug in einer Cockpit-Nachbildung. Borschberg wird sich den körperlichen Herausforderung eines mehrtägigen ununterbrochenen Flugs stellen.
Bild: key

   

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Ein Team testet gegenwärtig auf dem Flugplatz Dübendorf, wie sich die Piloten während der geplanten Weltumrundung mit der «Solar Impulse» verhalten sollen. Das heisst: Tagelange Einsätze ohne Schlaf, wochenlang ohne Toilette und unter extremen Temperaturschwankungen.

Keine Bewegungsfreiheit

Für ein Bett ist das Cockpit eindeutig zu klein, auch für eine Bordtoilette ist kein Platz, geschweige denn für einen Ort, um sich die Beine zu vertreten. Der für 2014 geplante Flug rund um die Welt wird für die beiden Piloten des Solarflugzeuges «Solar Impulse» deshalb zum körperlichen Härtetest.

André Borschberg und Bertrand Piccard werden das Abenteuer zwar in mehrere Etappen einteilen und sich im Cockpit ablösen. Weil ein einzelner Einsatz aber trotzdem vier bis fünf Tage dauern kann, ist körperliche Vorbereitung nötig.

Borschberg sitzt deshalb seit Dienstag in einem nachgebauten Cockpit auf dem ehemaligen Militärflugplatz Dübendorf und testet, wie sich 72 Stunden ohne richtigen Schlaf, ohne Bewegung und ohne Toilette anfühlen. Am Mittwoch liess er Medienleute einen Blick auf seinen Mini-Arbeitsplatz werfen.

«Noch keine Sekunde langweilig»

Er selber sah mit Sicherheit auch schon ausgeschlafener aus, fühlte sich gemäss eigenen Aussagen aber gut. «Bis jetzt ist mir noch keine Sekunde langweilig geworden», sagte er. Alle zwei Stunden führt das Team Schnelligkeitstests mit ihm durch, um zu prüfen, ob ihn die Müdigkeit noch nicht übermannt hat.

Schlaf ist während der Erdumrundung - und damit auch während dieser 72-Stunden-Simulation - nicht vorgesehen. Die Piloten sollen jederzeit auf Ereignisse reagieren können und nicht erst aufwachen müssen.

Um sich einigermassen zu entspannen, macht Borschberg Yoga und hält gelegentlich ein 15-Minuten-Nickerchen. «Power-Naps», wie die Nickerchen auch genannt werden, sind aber nur über unbewohntem Gebiet erlaubt, etwa bei einer Meeresüberquerung. Über bewohntem Gebiet müssen die Piloten wach sein.

Plastikbeutel statt Toilette

Geübt wird während der Simulation auch das Umziehen. Weil die Temperaturen im Cockpit zwischen -20 und 35 Grad Celsius schwanken, werden Borschberg und Piccard nach dem Zwiebelprinzip eingekleidet. Diese Kleider gilt es dann, auf kleinstem Raum und im Sitzen an- und auszuziehen.

Auch die Sache mit der Toilette wird bei diesem 72-Stunden-Test geübt. Das «Solar Impulse»-Team liess sich von einem Nahrungsmittelkonzern ein Ernährungskonzept erstellen, das die Piloten so schmackhaft wie möglich ernährt und die Verdauung drosselt.

Schon einige Tage vor dem Start verzichten die Piloten zudem auf Ballaststoffe. Was sich nicht vermeiden lässt, landet in Beuteln, die unter dem Sitz angebracht sind. Er habe diese Toilette nun zum ersten Mal benutzt, twitterte Borschberg in der Nacht zum Mittwoch. Man müsse etwas vorsichtig sein, aber es klappe.

Borschbergs Sitz-Marathon wird am Freitagmorgen um 8 Uhr zu Ende sein. Die Ergebnisse werden dann während eines Jahres ausgewertet und beim Bau des zweiten Solarflugzeuges, mit dem die Weltumrundung geplant ist, berücksichtigt. Von diesem existieren bis jetzt erst Teile der Flügel. Piccard wird seinen körperlichen Belastungstest im Februar 2013 absolvieren. (khe/sda)

Erstellt: 22.02.2012, 15:14 Uhr

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Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS), Website Statistik Schweiz

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