Probleme mit «Religion und Kultur»

Von Roger Kündig. Aktualisiert am 17.01.2012 2 Kommentare

Seit Sommer 2011 muss die Volksschule das Fach «Religion und Kultur» einführen. Während im Oberland die ersten Erfahrungen auf Sekundarstufe positiv sind, steht man auf Primarstufe der Einführung kritisch gegenüber.

Hat bis anhin nur gute Erfahrungen mit der Einführung der obligatorischen Religionsstunden gemacht: Fachlehrer Andrej Spendov, der an der Sek Freiestrasse in Uster unterrichtet. (Bild: David Kündig)

Hat bis anhin nur gute Erfahrungen mit der Einführung der obligatorischen Religionsstunden gemacht: Fachlehrer Andrej Spendov, der an der Sek Freiestrasse in Uster unterrichtet. (Bild: David Kündig)

Artikel zum Thema

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

«Das Problem ist, dass das Fach Religion und Kultur vorschnell eingeführt wurde, ohne auf die organisatorischen Konsequenzen in den Schulen und bei den Lehrpersonen zu achten», sagt Anne Schjold, Schulleiterin im Ustermer Primarschulhaus Talacker-Dorf. Damit bestätigt sie, dass die Einführung eines neuen obligatorischen Fachs stets grosse Auswirkungen auf Stundenplan, Pensen und Lektionenzahl hat.

Weiterbildung umstritten

Umstritten ist auch die Weiterbildung. Die Lehrpersonen mussten an der Pädagogischen Hochschule Zürich eine Nachqualifikation absolvieren, um das Fach unterrichten zu dürfen. Schjold hat von ihnen vernommen, dass die Qualität der Weiterbildung nicht stimmte. Von Schmalspurausbildung sei die Rede gewesen. Ähnlich soll es auch im Schulhaus Flugfeld-Stägenbuck in Dübendorf getönt haben, wie Schulleiterin Sabine Haffner bestätigt. «Die Lehrpersonen haben sich gefragt, ob dieser Lehrgang wirklich nötig sei. Inhaltlich habe er nichts Neues hergegeben.» Sie weist aber darauf hin, dass das Fach im Lehrteam durchaus Akzeptanz finde.

Gleicher Meinung ist Patrick Werschlein, Primarlehrer in Pfäffikon. «Unsere Gesellschaft ist kulturell derart vielfältig, dass das Fach absolut seine Berechtigung hat», meint er zwar. Keine guten Worte findet Werschlein auch zur Weiterbildung. «Die zehn Mittwochnachmittage haben wenig gebracht. Als Klassenlehrperson hätte ich diese Zeit besser nutzen können, zur Vor- und Nachbereitung etwa oder zum Erledigen administrativer Arbeiten.»

Lehrmittel erst in Produktion

Kritik übt Werschlein zudem, dass sich die Einführung des offiziellen Lehrmittels hinziehe. Dieses erscheint erst dieses und nächstes Jahr so allmählich. «Nun stellt jede Lehrperson ihre persönlichen Unterlagen zusammen. Wenn das Lehrmittel dann erscheint, dient dieses vielleicht noch zur Ergänzung.»

Lesen Sie mehr dazu im ZO/AvU vom Mittwoch, 18. Januar. (ZO/AvU)

Erstellt: 17.01.2012, 19:50 Uhr

2

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

2 Kommentare

Andreas Kyriacou

18.01.2012, 16:41 Uhr
Melden 4 Empfehlung

DIe ganze Last liegt auf den Lehrpersonen. In keinem anderen Schulfach würde man einen derartigen Missstand dulden. R + K wird aber auch mit Lehrmitteln nicht zur Ruhe kommen, denn diese beleuchten Religiosität nicht neutral, weltliche Wertvorstellungen werden ausgeblendet, Kindern aus nichtreligiösen Haushalten wird suggeriert, ihnen fehle etwas. Man hat unnütz Millionen ausgeben. Antworten


Lars Habermann

20.01.2012, 00:12 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Das Fach muss noch zur Verständigung ALLER wichtigen Weltanschauungen ergänzt werden mit der den Religionen gleichwertigen Darstellung der säkularen Weltanschauung, mit ihrer säkularen Ethik, ihren säkularen Werten, ihrer säkularen Sprache, ihren säkularen Festen, ihren Symbolen usw., das ganze Programm, womit sich die säkulare Gesellschaft gut und gerne identifiziert. Antworten



Populär auf Facebook Privatsphäre

Facebook

Werden Sie Fan von regio.ch.




© ZO-Online 2011 Alle Rechte vorbehalten