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Für den Prix Courage nominiert: Teenager zog Mann aus dem Rhein

Von Camilla Alabor. Aktualisiert am 08.08.2012

Ramon Amrhein hat mit zwei Kollegen einen Mann vor dem Ertrinken gerettet. Dabei war er an diesem Mittwoch nur per Zufall am Rhein: eigentlich hätte er im Klassenzimmer sitzen sollen. Das wusste er damals zum Glück nicht.

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Es war ein heisser Mittwochmorgen im August vor ziemlich genau einem Jahr. Ramon ging erst seit Kurzem im thurgauischen Diessenhofen zur Schule. Als seine Kollegen an jenem Mittwochmorgen im August schulfrei hatten und das schöne Wetter ausnützen wollten, um von der nahen Rheinbrücke zu springen, ging Ramon mit. Obwohl er, wie er später erfuhr, eigentlich noch Unterricht gehabt hätte. Doch in dem Moment ging der 17-Jährige davon aus, dass auch er schulfrei hatte.

«Jemand ruft um Hilfe»

Zusammen mit seinem Kollegen Dines Dzefari sprang der Pfäffiker von der acht Meter hohen Brücke in den Rhein, während der Dritte im Bunde, Shqiprim Olluri, zurückblieb und auf die beiden wartete.

Doch kaum waren Ramon und Dines aus dem Wasser gestiegen, rief ihnen ihr Freund Shqiprim aufgeregt zu: «Kommt schnell! Da ruft ein Mann um Hilfe!» Ramon und Dines rannten zur Brücke hoch, wo sie den Mann im Rhein treiben sahen. Sie zögerten keine Sekunde, schoben die Gaffer beiseite und sprangen dem Mann hinterher.

«In dem Moment überlegten wir uns gar nichts», sagt Ramon heute. «Wir machten einfach.» Sein Kollege Dines packte den 46-jährigen Ertrinkenden am Arm. Doch der Mann, der einen Krampf im Bein hatte, zog in seiner Panik seinen Retter immer wieder unter Wasser. Ramon hielt währenddessen seinen Kollegen fest und schwamm mit aller Kraft Richtung Rheinufer. Schliesslich gelang es Ramon und Dines, den Mann ans Ufer zu ziehen.

Auf die Intensivstation

Ihr Kollege Shqiprim hatte inzwischen die nahen Zöllner alarmiert und sie aufgefordert, einen Krankenwagen zu rufen. «Dann ging es ewig, bis endlich eine Ambulanz kam», sagt der 17-Jährige. «Und zum Schluss kamen gleich drei.» Der Mann, der viel Wasser geschluckt hatte, wurde ins Spital gebracht und verbrachte eine Nacht auf der Intensivstation.

Ramon und seine beiden Kollegen benötigten unterdessen etwas Zeit, um sich vom Schock zu erholen: «Als Erstes gingen wir einen Döner essen.» Drei Tage später waren sie wieder auf der Brücke, um einer Zeitung ein Interview zu geben. «Zu unserer Überraschung kam auf einmal der Herr dazu, den wir gerettet hatten.» Er bedankte sich bei den drei Jugendlichen und gab ihnen Gutscheine.

Nicht ohne Kollege

Traumatisiert ist Ramon vom Erlebnis nicht: «Ich bin eine Wasserratte. Ich gehe weiterhin schwimmen und bin auch wieder von der Brücke gesprungen.» Angst habe er in dem Moment nicht gehabt. «Dafür hatten wir gar keine Zeit.» Er sagt aber: «Ohne meinen Kollegen Dines hätte ich es wahrscheinlich nicht geschafft – und umgekehrt auch nicht.»

Wie ein Held kommt sich Ramon nicht vor: «Ich finde das selbstverständlich.» Erst, als die Medien ihn um Interviews baten und er für den Prix Courage des «Beobachters» nominiert wurde, begann er, so etwas wie Stolz zu fühlen. Die Preisverleihung findet am 6. September in Zürich statt. Nebst der Ehre winkt ein Preisgeld von 25'000 Franken und ein Publikumspreis von 10'000 Franken. Was würde er mit dem Geld tun, sollte er gewinnen? «Ich würde ein wenig shoppen gehen und den Rest aufs Sparkonto legen», sagt Ramon. Mit einem spitzbübischen Grinsen fügt er an: «Aber zuallererst würde ich mir davon einen Döner kaufen.» (regio.ch)

Erstellt: 08.08.2012, 19:07 Uhr

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