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Ernst Sieber empfiehlt Senioren die Ausweisabgabe

Aktualisiert am 24.07.2012

Obdachlosenpfarrer Ernst Sieber hat aus seinem Autounfall von Ende Juni seine Lehren gezogen: Der 85-Jährige setzt sich nie mehr hinters Steuer und empfiehlt anderen Senioren, es ihm gleichzutun.

1/3 Pfarrer Ernst Sieber in Zürich verunfallt
Der Urdörfli-Betreiber Pfarrer Ernst Sieber hatte am Donnerstagnachmittag, 21. Juni, einen Autounfall und musste zur Kontrolle ins Spital gebracht werden.
Bild: Newspictures

   

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Wer sich nicht mehr ganz sicher fühle, solle den Fahrausweis besser abgeben, sagte Pfarrer Sieber am Dienstag vor den Medien in Zürich. Seit er aus dem Spital entlassen worden sei, habe er ein Netz von etwa fünfzehn Personen, die ihn chauffieren würden. «Die Queen hat ja auch einen Fahrer. Weshalb soll ich das nicht auch haben?»

Die Umstellung bereitet dem bekanntesten Pfarrer der Schweiz aber Mühe. Nach fünfzig Jahren täglichen Autofahrens sei er einfach daran gewöhnt, jederzeit losfahren zu können. Ein Zurück gibt es für ihn aber nicht. Den Ausweis hat Sieber bereits abgegeben.

Hitze und zu wenig Wasser

An den Unfall selber hat Sieber keine Erinnerung mehr. Er sei mit seinem Auto auf der leeren Strasse in Richtung Zürich unterwegs gewesen. «Es war heiss und ich habe wohl zu wenig Wasser getrunken.» Plötzlich hätten ihm Polizisten zugewinkt und Feuerwehrleute hätten ihn aus dem Auto gehievt.

Schmerzen spürte er keine - stattdessen erkundigte er sich bei den Rettungskräften, wer denn verletzt sei. Die ganze Sache sei ihm «sehr eingefahren». Für ihn sei es ein Stück private Offenbarung gewesen. «Nicht nur andere erschwischt es. Nein, auch dich selbst.»

Beim Unfall brach sich Sieber sieben Rippen, zudem erlitt er mehrere kleinere Verletzungen und einen Schock. Drei Wochen musste er in Spitalpflege bleiben. Seit er zuhause ist, muss er regelmässig sein Lungenvolumen mit einem Atem-Gerät trainieren.

Kürzertreten will er nicht

Kürzertreten will er trotz des Unfalls und seiner 85 Jahre nicht. «Ich kann doch nicht weg von diesen Menschen.» Bis zum letzten Atemzug werde er weiter arbeiten für die Armen. Ein neues Projekt ist bereits in Planung. Was dieses genau beinhaltet, will Sieber noch nicht publik machen.

Sein jüngstes Werk, die Obdachlosensiedlung «Brothuuse» in Zürich- Affoltern wurde erst im Mai eingeweiht. Momentan leben 30 Menschen in den Holzcontainern, die meisten von ihnen sind IV-Rentner und Sozialhilfebezüger, die auf dem Zürcher Wohnungsmarkt keine Bleibe mehr finden. (khe/sda)

Erstellt: 24.07.2012, 20:51 Uhr

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