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Esther Hildebrand: «An Grün führt kein Weg vorbei»

Von Yves Ballinari. Aktualisiert am 26.08.2011

Die grüne Politikerin Esther Hildebrand will im Herbst wieder in den Nationalrat gewählt werden. Die Effretikerin im aktuellen Wahlporträt.

Die Oase vor dem Haus: So oft sie einige freie Minuten hat, setzt sich Esther Hildebrand in ihren Garten in Illnau-Effretikon. (Bild: David Kündig)

Die Oase vor dem Haus: So oft sie einige freie Minuten hat, setzt sich Esther Hildebrand in ihren Garten in Illnau-Effretikon. (Bild: David Kündig)

Doppelpass mit Esther Hildebrand

Das letzte Mal so richtig gefreut habe ich mich über ...

Esther Hildebrand: ... meinen Aufstieg auf den Pizzo Ruggia in den Ferien im Tessin. Ich war stolz, es geschafft zu haben, und überwältigt von der Aussicht.

Meine beste Freundin bezeichnet mich als ...

... Fit, überzeugend, natürlich, frech, zielstrebig, individuell, gelassen. Jedenfalls hat sie aus diesen Adjektiven an meinem letzten runden Geburtstag das Wort «fünfzig» zusammengesetzt.

Mein politischer Lieblingsgegner ist ...

... im Kantonsrat SP-Fraktionschef Raphael Golta. Früher war es wohl SVP-Kantonsrat Bruno Walliser. Mit ihnen kann ich mich auf Augenhöhe streiten.

Die Meinung meiner Partei ist ...

... zu 80 Prozent auch meine Meinung.

Wenn ich König der Schweiz wäre, würde ich ...

... die Monarchie abschaffen und die direkte Demokratie einführen.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ...

...meine politische Arbeit zu Resultaten führt und ich später nicht ernüchtert auf diese Zeit zurückblicken muss.

Interview: Yves Ballinari

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Es hätten die Wahlen von Esther Hildebrand werden können in diesem Herbst. Vor zwei Jahren erlangte sie als zweite grüne Zürcher Kantonsratspräsidentin überhaupt breite Bekanntheit, in ihrem Wohnort Illnau-Effretikon war sie 13 Jahre lang Gemeinderätin. Ihr Lebenspartner und Parteikollege Martin Graf hat als Stadtpräsident der Oberländer Gemeinde im Mai die Wahl in den Zürcher Regierungsrat geschafft.

Die Zeit wäre für Hildebrand reif, sich auch in Bern einen Namen zu machen. Doch den Vorzug gab sie den Ersatzwahlen für den Illnau-Effretiker Stadtrat im Juli. Sie wollte die grüne Politik Grafs weiterführen, das war ihr wichtiger als ein Sitz im Nationalrat. Nun wirft sich die Frage auf, ob sich das Risiko gelohnt hat. In der Wahl um den Stadtratssitz unterlag sie wegen 75 Stimmen dem Kandidaten der SVP, und auf der National- und Ständeratsliste der Grünen Partei der Schweiz ist Hildebrand nun als 15. aufgeführt, nachdem sie vor der Kandidatur als Stadträtin als Nummer 5 gesetzt war.

«Ich hatte mit der Parteileitung abgesprochen, dass ich nicht zeitgleich zwei Wahlkämpfe führe, und von unseren bisherigen Nationalräten treten alle erneut an», sagt Hildebrand im Garten ihres selbst umgebauten Flarzhauses im Effretiker Ortsteil Rikon. «Also entschied ich mich, auf den Stadtratssitz zu setzen. Und ich würde wieder so handeln.» Ihr Listenplatz für die Nationalratswahlen bedeute, dass sie sich aus der Wahl-Entscheidung heraushalte. «Denn realistische Chancen haben bei uns nur die ersten sechs.»

Vier Nationalräte sitzen für die Grünen im Bundeshaus. Die Zeichen, dass der Kollegenkreis in Bern mindestens um eine Person wachse, stünden gut, glaubt Hildebrand. «Grüne Politik entspricht dem Zeitgeist, das haben nicht zuletzt die Ereignisse in Fukushima gezeigt.» Die Hoffnung der Atomkraft-Befürworter, dass das Thema bis im Herbst an Bedeutung verliert, hält sie für unbegründet. «Die Atomfrage wird im Gegenteil noch an Bedeutung gewinnen. Schliesslich ist der Ausstieg beschlossene Sache, und die Frage, wie wir ihn umsetzen, steht mitten im Raum.»

Jetzt müsse man sich überlegen, wie man alternative Energien fördern könne. «An den Grünen führt dabei kein Weg vorbei. Denn wir waren die Ersten, die Umweltthemen besetzten.»

Das Thema Umweltschutz hat Esther Hildebrand bereits in den 80er Jahren in den Bann gezogen. Als in Tschernobyl die Brennstäbe schmolzen, war die junge Mutter mit ihrem zweiten Kind schwanger. Von ihrem Vater, der in der Uni arbeitete, borgte sie sich einen Geigenzähler. Als er am Gemüse draussen im Garten anschlug, war es für Hildebrand genug. «Jetzt gehe ich in die Politik – sofort», sagte sie sich.

Ein Vierteljahrhundert später sitzt sie wieder im Garten, in ihrer Oase, wie sie sagt. Sie spricht über Fukushima, und sie merkt: Die Wut von damals ist wieder da. Oder immer noch da. Neben der Umsetzung des Atomausstiegs gibt es ein weiteres politisches Thema, das Hildebrand nicht nur beschäftigt, sondern bewegt. «Wenn ich Nationalrätin wäre, würde ich mich vermehrt auch in Bern für die Integration einsetzen», sagt sie. «Als Verantwortliche eines Angebots für fremdsprachige Jugendliche bin ich diesem Thema sehr nahe.»

Für unmenschlich hält Hildebrand die geltende Gesetzgebung im Asylwesen. «Den Status der vorläufig Aufgenommenen würde ich sofort abschaffen, wenn ich könnte. Ich kenne Familien, die ein Jahrzehnt lang im Ungewissen leben, ob sie nun bleiben dürfen oder nicht. Das ist Psychoterror für die Betroffenen. Wenn Flüchtlinge nicht zurückgeführt werden können, weil sie an Leib und Leben bedroht sind, sollten sie hier bleiben können.»

Vielleicht bietet sich Hildebrand in den nächsten Wahlen die Chance, das Thema im Nationalrat einzubringen. Sie würde in vier Jahren gerne weit vorne auf der Grünen Liste stehen, sagt sie. Vorausgesetzt, die nächste Stadtratswahl in Illnau-Effretikon kommt ihr nicht in die Quere. (ZO/AvU)

Erstellt: 26.08.2011, 18:53 Uhr

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