Cyrill Seifert: Von einem, der nicht locker lässt
Von Gabriela Frischknecht. Aktualisiert am 17.02.2012 1 Kommentar
Zur Person
Cyrill Seifert ist 1973 in Winterthur zur Welt gekommen und lebt seit 34 Jahren in der Stadt Effretikon. Schon als kleiner Bub war er fasziniert von Zügen, seine erste Modelleisenbahn erhielt er mit sechs Jahren. Die Ausbildung machte Seifert als Betriebsdisponent bei den SBB. Heute ist er Mitinhaber einer Firma für Elektrotechnik, die er gemeinsam mit seinen Eltern führt. Darin integriert ist eine kleine Tennisfirma, wo er Rackets bespannt. Daneben schreibt Seifert Fachbücher über Eisen- und Strassenbahnen, publiziert in Fachzeitschriften und schreibt Romane. (fri)
Doppelpass mit Cyrill Seifert
Wenn ich am Reisen bin, fehlt mir am meisten...
Cyrill Seifert: ...mein eigenes Bett. Aber ich nehme nicht das eigene Kissen oder die persönliche Decke mit; ich nehme, wie es kommt.
In meinem Gepäck darf auf keinen Fall fehlen...
...mein DVD-Player und ganz viele Filme. Das unterhält mich während der langen Flugreisen, aber auch oft abends im Hotelzimmer. Denn es gibt viele Länder, in denen man sich abends nicht auf die Strasse wagen kann.
In einem fremden Land gehe ich als erstes...
...an die Hotelbar!
In der Schweiz fühle ich mich...
...zu Hause. Auch wenn ich gerne reise, in der Schweiz habe ich ein ganz starkes Gefühl der Zugehörigkeit.
Das Schönste am Reisen ist...
...dass man andere Landschaften und Kulturen entdecken kann. Am spannendsten sind aber die Menschen, die man dabei kennen lernt. Mit manchen habe ich heute noch Kontakt.
Wenn ich mal nicht mehr reisen könnte...
...dann bleibe ich am Schreibtisch sitzen und schreibe halt einfach Bücher darüber!
Interview: Gabriela Frischknecht
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Einen Globetrotter stellt man sich als drahtigen, dynamischen Typen vor. Einer, der immer in Bewegung ist und seine Schweizer Dépendance nur gerade dazu nutzt, frische Kleider zu fassen, um sogleich mit dem nächsten Flugzeug nach Kiribati, Malawi oder Tuvalu abzuheben.
Die gemütliche, gross gewachsene Gestalt unter der Türe erfüllt dieses Bild ganz und gar nicht. Erst recht nicht die roten Plüschpantoffeln mit dem Schweizer Kreuz, die Cyrill Seifert trägt. Beruhigend dann der Blick in die Stube von Seiferts Wohnung gleich hinter dem Bahnhof Effretikon. Bücher über Bücher, die bestimmt alle von seinen Reisen stammen.
Doch auch hier erfüllt der 38-Jährige das Klischee nicht. Denn es sind nicht etwa Reiseratgeber, Städteführer oder Sprachlexika. Die Regale biegen sich vielmehr unter der Last von unzähligen Sachbüchern und Bildbänden über – Strassenbahnen. Und Eisenbahnen. Und Loks. «Das ist meine ganz grosse Leidenschaft» bestätigt Cyrill Seifert. Und letztendlich sind es auch diese Gefährte, die ihn zum Reisen gebracht haben. Schon Klein-Cyrill im Kinderwagen liess sich am liebsten von Mutter oder Grossmutter zum Bahnhof stossen. «Die Eisenbahn hat mich von klein auf fasziniert», sagt Cyrill Seifert und erzählt mit leuchtenden Augen von seiner ersten Modelleisenbahn, die er als Sechsjähriger erhielt.
Selbstredend, dass Seifert seine Ausbildung zum Bahnbetriebsdisponenten bei den SBB machte. Die damit verbundenen Gratistickets führten zu seinen ersten Reisen. Irgendwann merkte er, dass er sämtliche Länder in Europa abgeklappert hatte. «Nur den Kosovo musste ich 2009 noch anhängen, als er unabhängig wurde», ergänzt Seifert mit einem schelmischen Lachen. Mitte der 1990er Jahre entdeckte er Inseln. Auf die Bahamas folgten die Malediven, später die Karibik, und Cyrill Seifert merkte, dass es ihm Spass machte, nicht nur eine Insel zu entdecken, sondern seine Ferien mit «Insel hüpfen» zu verbringen.
Irgendwann war sie dann da, die Idee, sämtliche 197 Länder dieser Erde zu bereisen. Nicht so sehr, um einen Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde zu erreichen. Vielmehr ist Cyrill Seifert einer, der nach Vollständigkeit strebt. Wenn er etwas macht, dann richtig! Einen Guiness-Buch-Eintrag sicherte er sich bereits vor Jahren, 1999, als er sämtliche 2133 Bahnhöfe der Schweiz fotografierte. Aus dieser Sisyphusarbeit resultierte Seiferts erstes Buch. Eines, das die Herzen sämtlicher Modelleisenbähnler höher schlagen lässt, denn zu den Gebäudefotos ergänzte er die genauen Gleispläne der Bahnhöfe zum Nachbauen. Ein zweites und drittes Fachbuch publizierte er zu sämtlichen Loks der SBB, respektive der Rhätischen Bahn, in denen er akribisch selbst die kleinsten Typendetails auflistete.
Nicht locker liess er etwa auch in Belgrad, wo er sämtliche in die serbische Hauptstadt exportierten Basler «Drämmli» fotografierte, obwohl er einen ganzen Tag lang mit einem Taxi herumfahren musste. «Die Trams tragen alle eine eigene Nummer», erklärt er, «deshalb war es wichtig, dass ich jedes einzelne ablichten konnte.»
Oft verbindet Seifert eine Reise denn auch mit dem Besuch einer Strassenbahn oder eines speziellen Zugs, den er dann fotografiert, um später in einer Eisenbahn-Fachzeitschrift zu berichten. Gezielt geht er auch an die Planung seiner Reisen. «Im Prinzip ist jedes Taxi schon vor Reisebeginn organisiert», sagt Seifert, der heute als Mitinhaber im Elektrotechnikbetrieb seiner Eltern fungiert. Wegen der guten Organisation würden ihn seine Kollegen gerne begleiten. «Nur nicht in gefährliche Länder, darum gehe ich im April alleine nach Äthiopien und Djibouti.» Im Sommer bereist er mit Freunden die USA und Mexiko, Ende 2013 geht eine längere Reise nach Brunei, den Philippinen, Australien, Papua-Neuguinea, den Salomoninseln und Vanuatu.
Andere haben eine Familie, oder ein teures Auto», antwortet Cyrill Seifert auf die Frage, wie er seine Reisefreudigkeit finanziert. Er habe keins von beiden und lebe auch sonst sehr sparsam. Flüge seien heutzutage recht günstig, und er wähle meist Mittelklasshotels. An negative Erlebnisse erinnert er sich kaum. «In Rom wollte man mich mal beklauen, aber das konnte ich im letzten Moment verhindern», erzählt Seifert, der ganz nebenbei – also ob alles andere noch nicht genug wäre – auch zwei Romane geschrieben und diese bei bekannten Verlagen publiziert hat.
Er blättert die Seiten seiner drei Pässe um, in denen sich Visum an Visum, Stempel an Stempel reiht. «Es gibt viele Länder, die ich gerne ein zweites Mal besuchen möchte», sinniert er und gerät ins Schwärmen, als er etwa die Fidjiinseln erwähnt. Spätestens mit 55 will er alle Länder bereist haben. Und wenn er das nicht schaffen sollte? Cyrill Seifert lacht. «Das wäre auch nicht weiter schlimm, dann schreibe ich einfach darüber!» Der Schreibstoff dürfte ihm in nächster Zeit kaum ausgehen. Seifert arbeitet gerade seinen ersten Roman «11852», der in Texas spielt, zum Drehbuch um. Erwartungen, dass er verfilmt wird, hat er nicht. Aber es ist stark anzunehmen, dass Cyrill Seifert auch hier nicht locker lassen wird. (ZO/AvU)
Erstellt: 17.02.2012, 17:56 Uhr
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