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Schönau-Kultur ist bedroht

Von Andreas Leisi. Aktualisiert am 07.11.2011

Im Schönau-Areal formieren sich die Mieter zum Widerstand. Sie fordern vom neuen Besitzer eine faire Informationspolitik und sie fürchten um ihre Ateliers.

Viele eingemietete Kunstschaffende sehen das Idyll des Schönau-Areals und die damit verbundene künstlerfreundliche Stimmung gefährdet. (Bild: Nicolas Zonvi)

Viele eingemietete Kunstschaffende sehen das Idyll des Schönau-Areals und die damit verbundene künstlerfreundliche Stimmung gefährdet. (Bild: Nicolas Zonvi)

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Kulturschaffende sind auf günstige Ateliers angewiesen. Denn Kunst ist mit wenigen Ausnahmen nicht ein Beruf, mit dem sich das grosse Geld machen lässt. Traditionellerweise nisten sich Künstler denn auch in sogenannten «zwischengenutzten Industriearealen» mit günstigen Mietpreisen ein – manchmal jahrzehntelang.

Das ist auch in der Wetziker Schönau der Fall, wo einzelne Kunstschaffende Mieter seit über zwanzig Jahren ihrem Kreativmetier nachgehen. Nun – nach dem Verkauf des Areals an die Hiag Immobilien AG – geht in den denkmalgeschützten Gemäuern die Angst um. Dies vor allem, weil die Mieterschaft der Schönau die Ausbaupläne der Hiag AG aus dieser Zeitung erfahren haben. «Die Informationspolitik der neuen Besitzer ist positiv ausgedrückt zögerlich, negativ gesagt unanständig», sagt Clea Bitzer, die seit 1988 in der Schönau eingemietet ist.

Hoffnung und Desillusion

Clea Bitzer nutzt gemeinsam mit ihrem Mann Cäsar Bitzer einen 140 Quadratmeter grossen Raum, für den sie 1200 Franken monatliche Miete bezahlen. Sie sind sich bewusst, dass mit den neuen Besitzverhältnissen und den angekündigten Plänen ihre Tage in der Schönau gezählt sein könnten. «Persönlich wäre eine Wegweisung für mich eine kleinere Katastrophe», so Clea Bitzer. Dies auch, weil das Ehepaar Bitzer in ihrem Atelier die Wetziker Autorenlesungen durchführen, welche seit Jahren internationale Literaturgrössen nach Wetzikon locken. «Der Erfolg der Lesungen hat auch viel mit der einmaligen Atmosphäre der Schönau zu tun», sagt Cäsar Bitzer.

Jan Hubacher, Teil der A-cappella-Gruppe Zapzarap, schätzt zwar die «freigeistige» Stimmung im Schönau-Areal genauso, er macht sich jedoch keine Illusionen, dass Zapzarap den Proberaum, den sie mit einer Rockband und dem «Theater Robehuuse» teilt, behalten kann. «Die Streiff AG hat die Kultur immer sehr gefördert, indem sie beispielsweise Kulturschaffenden eine günstigere Miete als dem Gewerbe offeriert hat. Die neuen Besitzer wollen primär Geld verdienen.»

Kein Gehör für Pläne

Der 73-jährige pensionierte Architekt Roland Leu ist seit 1991 im ersten Stock der Schönau eingemietet, investierte nach eigenen Angaben über die Jahre 80?000 Franken und hat im ersten Stock eine bestens funktionierende Bürogemeinschaft mit artverwandten Berufskollegen geschaffen. Als aktiver Architekt hat Leu bereits 1998 dem damaligen Besitzer und der Stadt Wetzikon einen Plan für eine zusätzliche «kulturelle Nutzung» der Schönau eingereicht. «Die Idee war es, gegen Norden hin, Atelierhäuser zu bauen, die auf zwei Stöcken als Wohn- und Atelierraum hätten dienen sollen. Eine Reaktion gab es keine, nur das Modell kam – kaputt – zurück», erzählt Leu.

Heute, so Leu weiter, mache er sich grundsätzliche Sorgen um die Schönau. «Man kann mir nicht mehr vorwerfen, dass ich nur Aufträge für mich akquirieren will, ich bin ja als Architekt nicht mehr aktiv. Ich will nicht, dass die Schönau als einzigartiges Biotop von kreativen Menschen kaputt geht.» Denn als Architekt ist Leu überzeugt, dass die Schönau beides sein könnte: «Ort für kreative Arbeiter, die in günstigen Ateliers tätig sind und Ort mit Dienstleistungsangeboten für die Bevölkerung. Dies ist jedoch nur mit der Erhaltung des Grundhauses möglich.»

Mieter-Gruppe organisiert sich

Es hat sich mittlerweile eine Gruppierung aus Schönau-Mietern, Anwohnern und Sympathisanten gebildet, die mit «einer Stimme» der Hiag gegenübertreten möchte und die auch bereits mindestens eine gemeinsame Sitzung durchgeführt hat. Die einzelnen Bedürfnisse reichen von «Ich will nicht, dass die Aussicht vor meiner Wohnung verbaut wird», oder «die Störche sollen bleiben», bis hin zu existenziellen Sorgen vom eingemieteten Gewerbe.

Teil der Gruppe ist auch der Seegräbner Bauvorstand und stellvertretender Amtschef im kantonalen Amt für Landschaft und Natur, Marco Pezzatti, Sohn des langjährigen Streiff-Verwalters Brenno Pezzatti. Marco Pezzattis Auftreten führte unter verschiedenen besorgten Mietern zu Stirnrunzeln, ist er doch weder Schönau-Mieter, noch Anwohner. Fakt ist, dass er als Seegräbner Bauvorstand bereits mit der Hiag Immobilien AG zu tun hatte. (ZO/AvU)

Erstellt: 07.11.2011, 19:21 Uhr

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Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS), Website Statistik Schweiz

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