Stipe Svalina: Auf dem Schnellzug
Zur Person
Der 27-jährige Stipe Svalina ist in Wald als Sohn kroatischer Einwanderer aufgewachsen. Er absolvierte eine Lehre als Elektroniker und ging in die Berufsschule. Schon früh begann er Fussball zu spielen und war später Mitglied beim 1. FC Wald. Nach einem schweren Beinbruch musste Svalina mit dem Fussballspielen aufhören und konzentrierte sich ganz auf die Musik. Mit Freunden baute er in Rüti ein Studio auf und gründete das Label Pool Productions. 2007 übernahm er mit Junus Celebi die Geschäftsführung des Rampe Club in Bubikon. Svalina lebt mit seiner Freundin in Zürich.
Doppelpass mit Stipe Svalina
Mit dem Mikrofon in der Hand...
Stipe Svalina: ...wäre es teilweise auch besser, mal nichts zu sagen.
An einer guten Party...
...strecke ich meinen Discofinger in die Luft!
Meine erste Platte war...
...«Dynamite Deluxe 12” 1998».
Die Jugend von heute...
...macht mir momentan ein wenig Sorgen.
Wenn meine Katzen aufs Bett springen...
..könnten sie ihre Haare ruhig woanders liegen lassen.
Kroatien ist für mich...
...Hassliebe. Es steht 60:40 für die Liebe.
Ich denke in Reimen, wenn...
...andere in der Nase bohren.
Als ich acht Monate lang nicht arbeiten konnte...
...hatte ich glücklicherweise zwei Stöcke, die mir das Laufen abgenommen haben.
Wenn ich Fussball schaue...
...vernachlässige ich mein soziales Umfeld für 90 Minuten.
Wahrer Hip-Hop ist...
...besser als Hip-Hop-Ware.
Mein Geschäftspartner Junus Celebi...
...ist mein grosser Bruder.
Interview: Isabel Heusser
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Seine Tage sind rot oder blau. Rot steht für Energie, gar Euphorie, Inspiration, Wärme. Menschliche Wärme. Blau ist kalt. An blauen Tagen würde Stipe Svalina morgens am liebsten die Decke über den Kopf ziehen und nicht aufstehen. Die Melancholie lähmt ihn – und dann steht er trotzdem auf. «Meine Launen sind extrem, und sie können schnell wechseln.» Svalina ist Co-Geschäftsführer des Rampe Club in Bubikon.
Das Gespräch findet tagsüber im Club statt, auf einem abgewetzten Sofa. Die Luft ist leicht abgestanden, man hört den Regen auf die Dachfenster prasseln. Mal sitzt Svalina entspannt auf dem Sofa, lehnt sich zurück, antwortet schnell und klar. Dann wird er unruhig, setzt sich auf, fährt mit einer Hand durch den Wuschelkopf, reibt sich die Augen und gestikuliert. In Svalina schlagen zwei Herzen – das zieht sich durch das ganze Leben des 27-Jährigen.
Aufgewachsen ist Svalina in Wald. Seine Eltern, beide Kroaten, kamen in den 1970er Jahren in die Schweiz; der Vater arbeitete bei Sulzer in Rüti, die Mutter bei der Maschinenfabrik Honegger. Als Kind musste er am Mittwochnachmittag in die kroatische Schule. «Ich habe jeweils geflucht, weil ich lieber Fussball spielen wollte.» Heute sei er seinen Eltern sehr dankbar, dass sie ihn dazu gebracht hätten, sich mit seinen kroatischen Wurzeln zu beschäftigen.
Die Schule hielt ihn nicht davon ab, Fussball zu spielen. Als Kind begann er beim FC Wald, spielte Jahre später in der ersten Mannschaft, besuchte die Trainings für das überregionale Auswahlkader. Das Spiel an sich sei nicht der wichtigste Aspekt gewesen. «Ich fand es toll, in einem Team zu sein. Und ich wollte gewinnen.» Ein Satz, den er im Gespräch oft sagen wird. Neben dem Fussballspiel gab es in Svalinas Leben eine zweite Liebe: In der fünften Klasse hörte er zum ersten Mal Hip-Hop. Seine ältere Schwester Adriana brachte ihn auf den Geschmack.
Bald fuhr Svalina doppelgleisig. Mit Freunden baute er in Rüti, wo er inzwischen lebte, ein professionelles Aufnahmestudio und ein Label auf. Wenn Svalina über diese Zeit redet, gerät er ins Schwärmen. «Wir waren ein Haufen kreativer Köpfe.» 2005 fing er an, Veranstaltungen durchzuführen, unter anderem im damaligen Rampe Club, spielte in einer Band, nahm an Free-style-Battles teil, an denen im Ausscheidungsverfahren jeweils zwei Rapper gegeneinander antraten. Ziel war, den Konkurrenten möglichst originell zu dissen. Er wurde zu einem der besten Schweizer Freestyler. «Ich wollte gewinnen, ist ja klar», sagt er und grinst.
«Ich habe mich an den Battles nie?zu ernst genommen und versucht, etwas Lustiges daraus zu machen.» Mittlerweile hat er mit den Freestyle Conventions ein eigenes Format dieser Battles entwickelt, das in der ganzen Schweiz erfolgreich ist. 2005 passierte etwas,?das er rückblickend nicht mehr so tragisch findet: Er brach sich beim Fussballspiel das Bein. Der komplizierte Bruch führte zu einem Bruch in seinem Leben. Acht Monate war Svalina arbeitsunfähig. Eine belastende Zeit für jemanden, der ständig in Bewegung ist. Dass er sich damals «beschissen» gefühlt habe, sagt er ohne Umschweife. Dann besinnt er sich doch, schaut sein Gegenüber an und sagt: «Ich bin gerade ziemlich ehrlich, oder?»
Als er wieder arbeiten konnte, spielte er auch wieder Fussball, musste wegen Schmerzen pausieren, spielte, pausierte. «Irgendwann gestand ich mir ein, dass es nicht mehr ging.» Der Entscheid, sich ganz auf?die Musik zu konzentrieren, fiel ihm deshalb etwas leichter.
Als der alte Club in der Rampe im Juni 2007 geschlossen wurde, fragte Marco Schenk, Geschäftsführer der Rampe Bubikon GmbH, Svalina und dessen guten Freund Junus Celebi, ob sie den Club übernehmen wollten. Sie wollten – und hatten sich zu Beginn alles etwas leichter vorgestellt. Der erste Versuch, der Gemeinde Bubikon ihr Konzept zu unterbreiten, sei unkoordiniert verlaufen. Der zweite klappte. Die Anfangsschwierigkeiten – Reklamationen wegen Ruhestörung oder Vandalismus – haben sich gelegt. Die Beziehung zur Gemeinde und zu den Nachbarn sei gut, sagt Svalina. «Wir kommunizieren offen. Wenn etwas war, sagen wir es sofort.» Gemeindepräsident Bruno Franceschini kann das nur bestätigen. «Die Zusammenarbeit mit Svalina und Celebi ist sehr angenehm. Dass sie die Rampe übernommen haben, ist ein Glücksfall.»
Allein von der Rampe können Svalina und Celebi nicht leben. Celebi legt an Hochzeiten als DJ auf. Svalina führt Rap-Workshops in Schulen durch und macht Promo-Jobs für Veranstalter in Zürich. Das oberste Gebot der beiden: Ihr Club muss laufen. Das, räumt Svalina ein, sei früher anders gewesen. «Jedes Detail musste stimmen. Ich wollte die perfekte Party. Das Finanzielle war mir nicht so wichtig.» Mit dem Ergebnis, dass eine gross angelegte Party auch mal scheiterte?und die beiden Geschäftsführer viel Geld verloren. Heute sagt er: «Wenn ich merke, dass eine Veranstaltungsreihe keinen finanziellen Erfolg bringt, muss ich das Ding aufgeben.» Etwas hat sich aber nicht verändert: «Ich möchte geile Sachen machen, die den Leuten und?mir Spass machen. Ganz einfach.»
Wo er sich in ein paar Jahren sieht, kann er nicht sagen. «Aber ich sehe mich nicht stehen bleiben.» (ZO/AvU)
Erstellt: 23.01.2012, 20:16 Uhr
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