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Gehbehinderte Wetzikerin fühlt sich von Polizei schikaniert

Von Michael von Ledebur. Aktualisiert am 16.02.2012 8 Kommentare

Agnes Peters Portemonnaie blieb über eine Woche auf dem Wetziker Polizeiposten liegen. Die Polizei bedauert den Vorfall.

Susanne Fahrner (links) half Agnes Peter, ihr Portemonnaie wieder zu bekommen. (Bild: David Kündig)

Susanne Fahrner (links) half Agnes Peter, ihr Portemonnaie wieder zu bekommen. (Bild: David Kündig)

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Eigentlich hatte sie Schuhe kaufen wollen. Aber als Agnes Peter im Ladenlokal nach ihrer Handtasche griff, merkte sie, dass das Portemonnaie verschwunden war. «Ich meldete mich sofort auf dem Polizeiposten», erinnert sich die 62-jährige Frau an den 19. Januar, einen Donnerstag.

Missglücktes Lehrstück

Das Portemonnaie wurde am selben Tag gefunden: Von Susanne Fahrner aus Turbenthal, die mit dem Auto die Bahnhof-strasse hinauffuhr. Ihre 13-jährige Tochter hatte es auf dem Trottoir erspäht, vor dem Wohnblock, in dem Peter lebt. Mutter und Tochter gaben das Portemonnaie auf dem nahen Polizeiposten ab. Gedacht war das Ganze als ein pädagogisches Lehrstück für ihre Tochter, so Susanne Fahrner. «Ich wollte ihr zeigen, was man macht, wenn man ein Portemonnaie findet. Das ging leider in die Hose.»

Zunächst sei sie nur ein wenig enttäuscht gewesen, als sie vom Finder nichts hörte. «Meine Tochter fragte täglich nach.» Fahrner hatte sich den Namen der Portemonnaiebesitzerin gemerkt. Nach einigen Tagen griff sie zum Telefon. «Ich stellte erstaunt fest, dass sie nicht einmal wusste, dass das Portemonnaie gefunden worden war.»

Treppe als Hindernis

Agnes Peter war zu jenem Zeitpunkt schon mehrmals auf dem Polizeiposten gewesen. «Dort wussten sie nichts.» Peter hatte den Verlust auf der Kantonspolizei gemeldet, Susanne Fahrner ihren Fund aber bei der Stadtpolizei abgegeben. Peter ging indes auch auf dem Posten der Stadtpolizei vorbei. Dort wurden ihr die Stufen zum Verhängnis. Die Rollstuhlfahrerin schickte eine Bekannte vor, doch keiner der Beamten sei bereit gewesen, sie draussen zu empfangen, «es hiess, sie hätten keine Zeit». Dies wiederum kann sich Stadtpolizeichef Oliver Schürch nicht vorstellen: «Wir sind eine bürgerfreundliche Polizei und empfangen jeden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass der Schalter bereits durch eine andere Person besetzt war und jemand einen kurzen Augenblick warten musste.»

Nachdem Agnes Peter vom Fund ihres Portemonnaies erfahren hatte, sucht sie den Posten der Kantonspolizei abermals auf. «Aber dort hat man mich nicht ernst genommen», sagt Peter. Wütend sei sie geworden, als sie bemerkt habe, dass ihre Behinderung ein Thema wurde. Sie habe gehört, wie sie die Beamten untereinander «die Behinderte» genannt hätten.

Kantonspolizei-Sprecherin Cornelia Schuoler, sagt, es müsse sich um ein Missverständnis gehandelt haben. «Wenn bei Frau Peter aber ein solcher Eindruck entstanden ist, tut es uns leid.» Die Kantonspolizei werde das persönliche Gespräch mit Agnes Peter suchen.

Identitätskarte zerstört

Während Peter wiederholt auf dem Posten nachfragte, tat Fahrner dies telefonisch – so die Darstellung der beiden Frauen. Dann, nach über einer Woche, wurde Agnes Peter ihr Portemonnaie von einem Beamten nach Hause gebracht. «Er hat sich bei mir entschuldigt.» Damit wäre die Angelegenheit eigentlich erledigt gewesen – hätte es da nicht noch jenen Vorfall mit der Identitätskarte gegeben. «Der Polizist hat mein Portemonnaie geöffnet, die ID herausgenommen und zerstört.» Die ganze Geschichte habe habe sie mitgenommen. «Ich habe so etwas noch nie erlebt.»

In der Hose vergessen

Für Oliver Schürch handelt es sich um eine Verkettung unglücklicher Fügungen. Der diensthabende Polizist habe an jenem Tag wegen des Brands in der Alterssiedlung an der Spitalstrasse ausrücken müssen und das Portemonnaie in der Hitze des Gefechts in die Diensthose eingesteckt. Dort sei es vergessen gegangen. «Normalerweise vermitteln wir ein Portemonnaie schneller», sagt Schürch, der den Vorfall bedauert.

Der Stadtpolizist, der Peters ID vernichtete, habe indes in guter Absicht gehandelt: Wenn eine ID als vermisst gemeldet wurde, könne man dies nicht wieder rückgängig machen. «Unser Fehler war es jedoch, dass wir die ID nicht sogleich vermittelt haben. Deshalb sind wir bereit, die Kosten für die Wiedererstattung zu übernehmen.» Für Agnes Peter immerhin ein tröstlicher Abschluss einer unangenehmen Geschichte. (regio.ch)

Erstellt: 15.02.2012, 20:05 Uhr

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8 Kommentare

Eva Lieberherr

16.02.2012, 14:25 Uhr
Melden 9 Empfehlung

Die Polizei sollte sich was Schämen. Nicht sich rausreden, sondern direkt entschuldigen und nächstes mal besser machen. Das drumrumgerede ist peinlich und verschlimmert die an und für sich bereits üble Geschichte nur noch mehr. Antworten


Lothar Hiestand

16.02.2012, 18:20 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Also das passt ganz klar zu der Wetzikoner Stadtpolizei. Sich rausreden und nicht zu dem stehen, was die Herren verbockt haben. Es ist eine riesen Sauerei wie hier mit der Rollstuhlfahrerin umgegangen wurde. Auch ich habe selbst erlebt, wie "bürgernah" und wahrheitsentfremdend 2 Kollegen der Stadtpolizei Wetzikon offenbar Dienst verrichten. Die meisten der Kollegen des Postens sind aber in Ordnung Antworten



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Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS), Website Statistik Schweiz

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